Die Schwierigkeiten wachsen, je näher man dem Ziele kommt. Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Jahresende!!!

Da gerät so mancher in eine Alarm-Stimmung. Schnell noch ein Projekt zu Ende bringen, Endspurt zum Ziel, letzte Reserven mobilisieren, Anstrengungen intensivieren und so weiter, um WAS damit zu erreichen?

Ist dieses magische Datum, der letzte Tag des Jahres, tatsächlich so entscheidend? Müssen wir „fertig werden“, um am Ersten Januar oder bestenfalls am zweiten irgendetwas „von vorn“ anzufangen? Wir haben uns angewöhnt Bilanz zu ziehen, ehe wir einen Neuanfang starten. Doch: das hat mit dem tatsächlichen Leben nicht wirklich viel zu tun. Schon lange sind die Zeiten vorbei, in denen erst eine Aktion abgeschlossen wurde, ehe man die neue in Angriff nahm.

Projekte laufen parallel in verschiedenen Reifestadien. Einige Ziele haben wir schon fast vergessen, weil wir sie bereits vor Monaten erreicht haben. Von anderen Vorhaben haben wir uns verabschiedet, weil sie nicht mehr in unser Leben passten oder ihren Sinn verloren hatten. Und auch manche Beziehung hat sich während des zurückliegenden Jahres verändert.

Vielleicht ist diese Zeit des Rückblicks auf Erreichtes ganz sinnvoll, wenn sich Entscheidendes ändert. Das am Kalender, respektive am Jahreswechsel festzumachen, ist aber schwierig. In vielen Bereichen ändert sich nämlich gerade in dieser Zeit eher wenig. Im Gegenteil: Man hat den Eindruck, dass sich immer weniger bewegt, alles langsamer geht und die meisten Menschen eher mit Weihnachtsvorbereitungen und Privatangelegenheiten beschäftigt sind, als mit dem Erreichen wichtiger Ziele.

Aber möglicherweise entsteht dieser Eindruck auch gerade dadurch, dass zum Ende hin alles schwieriger zu werden scheint, wie der alte Goethe mit 60 Jahren in den „Wahlverwandtschaften“ feststellte?

Anfänge sind oft einfach. Der erste Schritt, die geringste Tat – und schon verändert sich etwas im Leben. Es tauchen Widerstände und Gegner auf, die vorher gar nicht zu erkennen waren. Aus dem Schwung und der Begeisterung des Anfangs wird das fleißige Durchhalten und Weiterkämpfen in den Mühen der Ebenen. Und es kommen Zweifel auf, ob sich die ganze Anstrengung auch lohnen wird, ob das Ziel erreichbar ist.

Je länger und je erfolgreicher man ein Ziel verfolgt, umso wichtiger werden Partner. Deshalb ist Freundschaft und Kooperation wichtiger als Kampf oder gar Sieg! Trotzdem ziehen wir ausgerechnet am Jahresende Bilanz. Die meisten von uns tun das im Kreise ihrer Lieben – die vielleicht im Verlauf des Jahres zu kurz gekommen sind. Weihnachten als Fest der Familie ist vielleicht sogar eine Art der Wiedergutmachung. Auch die Wegbegleiter zum Ziel, die nicht zur Familie gehören – also Freunde, Kollegen, Partner und sogar Kunden besinnen sich jetzt. Nur warum gerade jetzt? Stecken wir uns gegenseitig an? Lassen wir uns von der Jahresendzeit-Stimmung durch die Werbung überrollen?

Ich mache mir bei der „Inbetriebnahme“ eines neuen Kalenders als erstes Notizen über wichtige Meilensteine in meinen laufenden Projekten. Das sind die Daten, an denen ich Bilanz ziehe. Dazu gehört auch, mich bei meinen Wegbegleitern zu bedanken und mit ihnen gemeinsam zu feiern. Deshalb habe ich am Jahresende oft viel freie Zeit. Die nutze ich zur Erholung und zur Entspannung. Kein Stress, keine Jagd nach Geschenken, keine Reisen in überfüllten Zügen oder auf verstopften Autobahnen. Deshalb ist das Jahresende für mich auch kein Ziel-Termin. Meine verschiedenen Ziele reifen zu verschiedenen Zeiten mit unterschiedlichen Schwierigkeiten weiter. Mein Leben geht nämlich einfach weiter.

Das wünsche ich auch all meinen Freunden, Kollegen, Partnern und Kunden. Ziele zu erreichen schafft Höhepunkte – der Kalender kann sie bestenfalls dokumentieren.

Also: Zum Jahresende die besten Wünsche für alle Eure abgeschlossenen, laufenden und neu hinzukommenden Ziele und natürlich für Euer ganz persönliche Wohlergehen!

Eure Karin Rasmussen

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne … Herrmann Hesse

Ja, das ist ein geflügeltes Wort. Es wird oft zitiert, ohne das ganze Gedicht „Stufen“ von Herrmann Hesse mit einzubeziehen. In diesem Gedicht geht es aber nicht nur um Anfang, es geht auch um Ende – die andere Seite eines Prozesses. Alles, was wir anfangen, erfüllt uns mit Hoffnung. Die Hoffnung auf Erfolg, die Hoffnung auf Wertschätzung, auf Anerkennung und auch auf Spaß und Erfüllung treibt uns immer wieder zu neuen Anfängen.

Manchmal sind es auch Probleme oder Schwierigkeiten, die uns einen neuen Anfang wagen lassen. Dabei denken wir uns das „Ende“ oft als den Lohn unserer Bemühungen. Wir wollen ja etwas erreichen, wir haben ein Ziel. Mit dem Anfangen ist die Vorstellung verbunden, dass am Ende irgend etwas Gutes herauskommt. Das motiviert uns und gibt uns Kraft.

Manche Menschen sind Meister des Anfangs. Immer wieder! Sie lassen sich von neuen Ideen und Projekten immer aufs Neue begeistern, stecken vielleicht sogar andere mit dieser Begeisterung an und reißen sie mit. Andere tun sich eher etwas schwer mit dem Anfangen. Sie zögern, wollen sich erst gründlich vorbereiten und vielleicht sogar erst die Sicherheit haben, dass es sich lohnt – gewissermaßen eine Vorab-Erfolgsgarantie.

Aber ganz egal, ob das Anfangen leicht oder schwer fällt – was nach dem Anfang kommt, sind die Mühen der Umsetzung. Dann erst zeigt sich, wie weit unsere Kraft reicht, wie stark das Ziel uns tatsächlich motiviert. Wenn wir etwas umsetzen, tauchen neue Fragen auf. Auch neue Schwierigkeiten oder Möglichkeiten können sichtbar werden – was wir am Anfang gar nicht wissen konnten, ist plötzlich real. Willy Brandt sagt dazu: „Man kann nie so kompliziert denken, wie es kommt“.

Oft empfinden wir solche Situationen als Etappen auf unserem Weg – bei Herrmann Hesse sind das die „Stufen“. Aber Stufen können nach oben oder nach unten führen, genau wie Wege führen sie irgendwo hin. Man kann sie auch, genau wie Wege, in verschiedene Richtungen begehen. Solange man in Bewegung bleibt…

Doch es gibt Schwierigkeiten, die auch mal zu einem nicht erfolgreichen Ende Anlass geben. Es kann durchaus sinnvoll sein, nicht jeden Prozess vom zauberhaften Anfang bis zum „bitteren“ Ende durchzuhalten. Nicht immer ist das eine Niederlage. Und schon gar nicht ist es ein Zeichen von Unfähigkeit, Faulheit oder Feigheit. Es kann ebenso ein Zeichen von gesundem Realitätssinn oder zum Beispiel von nachhaltigem Ressourcenmanagement sein. Wer dann leichtfertig den Spruch von der Komfortzone dahersagt, die man eben auch mal verlassen müsse, der hat die Komplexität von Prozessen einfach nicht verstanden. Denn schon nach dem ersten Schritt ist man ja längst aus der Komfortzone heraus! Spott und Hohn oder gar Häme sind also unangebracht, wenn nach einem Anfang ein schnelles Ende folgt. Vor allem, wenn dieses Ende nicht erzwungen, sondern ganz bewusst beschlossen wird.

Wenn also mal wieder ein Projekt nicht erfolgreich beendet wird, sondern unvollendet bleibt oder vorzeitig abgebrochen wird, kann das durchaus sinnvoll sein. Entscheidend ist: Ein neuer Anfang ist immer möglich!

Es steht nicht wirklich auf dem Grabstein von Willy Brandt „Man hat sich bemüht“, auch wenn sich dieses Gerücht hartnäckig hält. Dieses „Man hat sich bemüht“ war seine Antwort auf die Frage eines Journalisten. Ich finde aber, dies ist eine respektable und zu respektierende Lebenseinstellung. Insofern hat jeder Anfang auch Anerkennung und Unterstützung verdient, nicht erst das Ende. In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß und Kraft für den nächsten Anfang!

Karin Rasmussen

Nichts ist so gewiss wie die Ungewissheit

Ich weiß nicht mehr genau, von wem ich diesen Satz zuerst gehört oder wo ich ihn gelesen habe. Deshalb kann ich ihn auch nicht wirklich als Zitat ausweisen. Aber der Gedanke dahinter ist schon spannend. Wenn wir doch wüssten, was auf uns zukommt! Dann würden wir sicher in manchen Fragen andere Entscheidungen treffen. Oder doch nicht?

Mich hat diese Ungewissheit gestern in das neue Futurium getrieben. Ein Museum der Zukunft? Das ist doch in sich an Paradoxon! Wie kann in einem Museum etwas zu sehen sein, was es noch gar nicht gibt? Und wer kann denn wissen, was da ausgestellt werden muss und was nicht?

Genau das hat mich neugierig gemacht. Und siehe da- die Macher haben gar nicht den Anspruch, es schon zu wissen. Sie wollen mit uns allen gemeinsam darüber ins Gespräch kommen, wie wir in Zukunft leben WOLLEN. Als ob es danach ginge! Meine Vorfahren mehrerer Generationen haben mir doch beigebracht, dass es niemals danach geht, was wir wollen. Unsere Wünsche haben genau genommen beinahe fast gar nichts zu sagen. Und jetzt auf einmal wird da öffentlich gefragt. Das ist eine echte Herausforderung!

Also habe ich mir eine Diskussionsrunde gegönnt, deren Fragen mich berührten. Es ging um Utopien und um die Frage, wie wahrscheinlich sie sind. Eine Frage fand ich – weil sie meine Zielgruppe, die Führungskräfte betrifft – ganz besonders spannend: „Wird es in Zukunft keine Chefs/Chefinnen mehr geben?“

Der Referent sprach aus eigener Erfahrung von einem kollektiv geführten Unternehmen und von Entscheidungen, für die ganze Teams Verantwortung tragen. „Na gut“ dachte ich, so ganz neu ist das ja nicht. In den meisten Familien gibt es ja schon ähnliche Erfahrungen. Wenigsten manchmal. So als Beispiel, wenn es um den sonntäglichen Speiseplan geht.

Also mal ehrlich: wer braucht schon einen Chef, oder sogar gleich mehrere davon?

Wie sich zeigte, wünschte sich etwa die Hälfte des Publikums aber doch, dass es auch in Zukunft Führungskräfte geben sollte. Oder man konnte sich einfach nicht vorstellen, wie das gehen soll – so ganz ohne „die da oben“.

Und da hat es bei mir wieder mal „Klick“ gemacht. Wir brauchen sie nämlich doch! Wenn wir selbst nicht genug Überblick haben, es uns an Erfahrung oder generell an Kompetenz fehlt und wir uns der Verantwortung gar nicht stellen wollen oder können.

Es müssen nur nicht immer die gleichen sein! Und sie müssen auch nicht „oben“ sein! Es kann durch aus ohne Chef-Posten gehen, wenn die Verantwortung nach der größten Kompetenz aufgeteilt wird. Je komplexer nämlich Prozesse und Probleme sind, umso seltener verfügt ein einzelner über alle notwendigen Ressourcen und das erforderliche Know-how.

Also mir gefällt der Gedanke, dass irgendwann in Zukunft jeder und jede „Chef“ oder „Chefin“ sein kann, auf dem Gebiet der größten Kompetenz und genau dann, wenn es gebraucht wird. Also ohne Posten, ohne Karrierewettbewerbe, ohne Genderquoten und ohne Machtspielchen, einfach durch fachliche, soziale und emotionale Kompetenz.

Auf diese Zukunft bin ich sehr gespannt. Und sie scheint nicht mehr sehr fern zu sein …

Ich wünsche Euch allen den kompetentesten Chef für jedes Eurer Probleme!

Eure Karin Rasmussen

Vom Ziel haben viele Menschen einen Begriff, nur möchten sie es gerne schlendernd erreichen. Johann Wolfgang von Goethe

Oje! Immer, wenn ich dieses Zitat lese, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Denn ich strenge mich wirklich gar nicht gerne an. Aber scheinbar ist dies eine der größten Tugenden, nach denen der Mensch streben sollte: sich anzustrengen. Und das auch noch gerne, freiwillig, mit Begeisterung!

Fast täglich bekomme ich Einladungen zu Seminaren, Workshops oder ganzen Kursen, in denen ich lernen soll, mein Mindset (also meine Art, die Welt und mein Leben zu betrachten, meine Glaubenssätze, meine Denkweise) zu verändern. Ich denke scheinbar falsch?

Bisher habe ich immer geglaubt, dass aller Fortschritt zustande kam, weil die Menschen sich ihr Leben leichter machen wollten. Ich dachte wirklich, das Rad wurde erfunden, um weniger tragen und weniger rennen zu müssen. Heute bewundern wir Sportler, die schneller rennen als jeder normale Mensch und die trotzdem langsamer sind, als jedes Auto. Und wir bauen Maschinen, die immer größere Lasten bewegen – ohne auf Gewichtheber herabzuschauen, die mit Muskelkraft viel weniger Last bewegen.

Irgendwie scheint es doch nicht nötig, dass JEDER sich IMMER anstrengt. Wenn ich zum Beispiel bei einem Vortrag auf der Bühne stehe, habe ich gar nicht das Gefühl, mich anzustrengen. Für andere wäre das möglicherweise anstrengend, aus den unterschiedlichsten Gründen. Natürlich bin ich vorbereitet, natürlich habe ich mir Gedanken gemacht und an meinem Vortrag gefeilt – aber ich habe dabei Spaß! Es ist eine Arbeit, die mir leicht fällt, weil ich sie gut kann. Ich kann sie gut, weil ich sie gerne tue. Deshalb tue ich sie auch oft. Und weil ich sie oft tue, werde ich darin immer besser. Diese Arbeit macht mir immer mehr Spaß, je öfter ich sie tue. Es ist mir – sozusagen – ein innerer Spaziergang.

Vielleicht kennt Ihr das, man nennt es „Flow“. Die Arbeit läuft praktisch wie von allein, alles passt zusammen, man ist in Bestform und vergisst Raum und Zeit und auch alle Ablenkungen, manchmal sogar die Pausen. Es fühlt sich nicht anstrengend an, sondern befriedigend, mitreißend, geradezu beglückend. Ich wünsche jedem, dass die eigene Arbeit so läuft, dass Ziele so erreicht werden können. Was es dafür braucht?
Selbsterkenntnis!

Der Mensch ist ein wunderbar multi-funktionales Wesen! Wir können (fast) alles lernen, uns an unglaublich viele Anforderungen und verschiedene Bedingungen anpassen, immer wieder Schwierigkeiten meistern – und damit immer wieder unsere eigenen Talente und Fähigkeiten weiter entwickeln. Nur tun wir das häufig nicht „artgerecht“, also entsprechend unserer individuellen Persönlichkeit, sondern unter dem Druck vermeintlicher Notwendigkeiten. Irgendwer will immer etwas von uns, von irgendwem werden immer Forderungen gestellt und Erwartungen geäußert. Oder wir werden unter Druck gesetzt, zu irgendetwas unseren Beitrag zu leisten …

Also ZIELE zu erreichen. Nur: sind das unsere eigenen Ziele? Haben wir überhaupt die Chance, eigene Ziele zu erkennen? Und dürfen wir eigene Ziele haben?

Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch etwas ganz Besonderes ist – und dass diese Besonderheit das wertvollste ist, womit wir für andere da sein können. Denn nur durch den Austausch dieser Besonderheiten können wir uns gegenseitig ergänzen und bereichern. Allein ist ein einzelner Mensch immer unvollkommen. Wir können vielleicht irgendetwas besser als andere – aber wir brauchen die Anderen, weil diese uns brauchen und weil sie uns dafür mit denjenigen Fähigkeiten zur Verfügung stehen, die wir selbst nicht so gut beherrschen, für die wir uns anstrengen müssen. Wenn also jede/r von uns Gelegenheit bekommt, das zu tun, was uns am meisten Spaß macht, weil wir dafür das größte Talent haben, wenn wir das immer öfter tun und darin immer besser werden, dann könnte es auch immer leichter werden! Dann könnte es unser größtes Ziel werden, für andere auf leichten Wegen nützlich zu sein und Spaß daran zu haben. Dann müssten wir uns weniger anstrengen und würden dennoch bessere Ergebnisse erreichen.

Meinen Coaching-Kunden rate ich oft: wenn es zu anstrengend wird, überprüfe Deine Ziele! Wo kommen sie her? Folgen sie nur einer Mode, einer äußeren Erwartung oder gar einer Vorgabe? Sind es wirklich DEINE Ziele?

Wenn ich dann als Antwort ein „man muss doch“ erhalte, dann weiß ich, dass die Anstrengung riesig wird und die Erfolgsaussichten trotzdem gering sind. Und bisher hat sich immer wieder herausgestellt, dass gerade die gefühlte Anstrengung ein ganz wichtiges Signal ist, dem bald darauf Erschöpfung, Enttäuschung, Frust und manchmal die Kündigung oder gar der Burnout folgt.

Also, ehe Du Dich anstrengst, um ein Ziel zu erreichen, das nicht DEIN Ziel ist, überlege lieber, was Du gern tust, was dir Spaß macht, worin Du Erfüllung findest. Dann darf und wird es nämlich auch leicht sein – und genau deshalb doppelt wertvoll für Dich und die Anderen. Denn die können daran ihre Freude haben, weil es ihnen die Anstrengung erspart. Es darf leicht sein, denn es ist Dein Leben!

Karin Rasmussen

Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Leben muss man es vorwärts. Søren Kierkegaard

Wegscheide

Für mich heißt das: Du bist nie gut genug vorbereitet!

Auch wenn ich es versuche, so viel wie möglich zu beachten und zu bedenken, es passiert in meinem Leben ständig etwas Unvorhersehbares. Meistens sind es Kleinigkeiten, die ich nicht erwartet oder übersehen habe. Aber manchmal gibt es auch große Überraschungen. Und dann muss schnell eine passende Reaktion gefunden werden. Vielleicht muss ich mich entscheiden – für oder gegen etwas. Oder ich muss um-organisieren. Termine verlegen, andere informieren, zusätzliche Vorbereitungen treffen. Manchmal muss ich auch auf etwas verzichten oder ich muss eine Chance nutzen, sonst ist sie vorbei …

Hinterher bin ich dann meist schlauer. Ich kann ziemlich genau erklären, wie es kommen konnte, dass … Oder wie es besser gewesen wäre, wenn …

Ich glaube, das kennt jeder von uns. Es kommt immer wieder vor, dass wir eine Entscheidung nachträglich anders gestaltet hätten, wenn wir es vorher besser gewusst hätten. Mancher verbringt sein ganzes Leben mit solchen Vorher-Nachher-Geschichten, um sich und anderen die eigene Biografie zu erklären. Nur: dadurch ändert sich die Biografie ja nicht!

Und da wir (außer vielleicht die Hellseher unter uns) nicht vorher genau wissen können, was als Nächstes und was in fernerer Zukunft passieren wird, müssen wir immer mit dem Risiko von „Fehlern“ leben. Einer meiner verdienstvollen Mentoren hat mir mal in so einer brenzligen Situation, als ich nicht wusste, wie ich mich „richtig“ entscheiden sollte, erklärt: „Jede Entscheidung ist zu dem Zeitpunkt, wo sie getroffen wird, eine richtige Entscheidung, wenn sie auf bestem Wissen und Gewissen beruht. Solange Du Deine Entscheidung vertreten kannst und berücksichtigst, was Du weißt, hast Du Dich richtig entschieden.“ Eigentlich ist das logisch, denn jeder Verstoß gegen meine Werte und gegen mein Wissen wäre eine falsche Entscheidung. Zumindest dachte ich das ziemlich lange.

Doch dann fiel mir wieder ein, wie viel Wissen mir noch fehlt. Und wie viele Menschen ebenfalls noch mehr Wissen suchen. Und meine Lehrer fielen mir wieder ein, mit dem oft zitierten Spruch: „Nicht für die Schule lernen wir, sondern für das Leben“. Allerdings hatte sich das während meiner Schuljahre oft genau umgekehrt angefühlt.

Wie kann man sich also darauf vorbereiten, das Leben „vorwärts“ zu leben? Sicher, lernen ist die beste Strategie – und zwar aus allem, was Dir und um Dich herum geschieht. Denn je mehr Du kannst und weißt, umso variantenreicher kannst Du auf das Unvorhergesehene reagieren. Aber reicht das?

Inzwischen denke ich, dass ich sehr viel Einfluss habe auf das, was mit mir und um mich herum geschieht. Egal, ob es um Umweltschutz, sozialen Frieden, Gesundheit oder meine Speaker- und Coacheinsätze geht: Ich kann wählen, was ich in die Welt bringe. Ich entscheide selbst, welchen Themen ich mich widme, mit welchen Menschen und Firmen ich kooperiere oder wen ich für welche Aufgabe wähle. Und so hat es auch Kierkegaard wahrscheinlich gemeint: Dem Leben das eigene Gesicht und den eigenen Inhalt zu geben ist sinnvoll – auch, wenn wir den Sinn erst hinterher erkennen.

Karin Rasmussen

Man kann niemanden überholen, wenn man in seine Fußstapfen tritt. (François Truffaut)

Problem?

Dieses Zitat fällt mir immer wieder ein, wenn mir mal wieder jemand eine „ganz neue Methode aus Amerika“ empfiehlt, um mich darin auszubilden oder mich nach der Methode zu behandeln. Natürlich hat die so gepriesene Methode eine sehr exotische Bezeichnung und stammt von einem ganz besonderen Experten! Es werden Namen genannt, als müsste die ganze Welt wissen, wer das ist. Häufig handelt es sich bei dem Urheber/der Urheberin um AutorenInnen, TrainerInnen oder Coaches, die gerade im Internet Furore machen und in aller Munde sind, weil sie angeblich ein ganz neues Verständnis für die innersten und persönlichsten Prozesse des menschlichen Lebens möglich machen. Oft können sie mich sogar von meinem rationalen Denken erlösen, weil sie den Zugang zu den geheimnisvollen spirituellen Weisheiten uralter Völker ermöglichen.

Nun will ich beileibe nicht behaupten, dass es da nichts Neues zu entdecken und zu beschreiben gäbe. Auffällig ist nur, dass diese Urheber der allerneuesten Erkenntnisse so viele heiß begeisterte Fans ausschließlich für ihre eine einzige Theorie oder ihr eigenes System gewinnen konnten. Denn die Fans können mir weder die Quellen noch die Grundlagen der so heftig beworbenen Neuigkeiten erklären. Sie kennen sie schlichtweg nicht – und es interessiert sie auch nicht.

Sie sind einfach nur begeistert. Sie empfinden das, wovon sie gerade sprechen, deshalb als grandios, weil es für sie neu ist. Sie haben (gefühlt) endlich eine Lösung für ein Problem kennengelernt, von der sie überzeugt sind. Dabei ist es ganz unwichtig, ob es die Lösung für eines ihrer eigenen Probleme ist, das sie schon lange beschäftigt und vielleicht sogar gequält hat. Dann wären sie vielleicht sogar etwas weniger begeistert. Es ist auch nicht wichtig, ob ich dieses Problem habe und dafür eine Lösung brauche. Aber offenbar war die Darstellung so überzeugend und verständlich, dass sie dieses für sie ganz neue Wissen unbedingt weitergeben wollen.

Aber mal ehrlich: Reicht Begeisterung allein schon aus, um den Wahrheitsgehalt oder gar den Nutzen, also den wahren Wert von Wissen, zu erkennen? Macht Fan-Sein zum Experten? Sind nicht vielleicht diese Fans genau genommen Opfer einer geschickten Manipulation geworden?

In mir regt sich bei so überbordender Begeisterung immer ein (gar nicht so leiser) Zweifel: Wissen die Fans, wovon sie reden? Haben sie die ganze Tragweite dessen, was sie mich lehren oder womit sie mich behandeln wollen, wirklich verstanden?

Mir geht es da so ähnlich, wie wenn mir jemand voller Begeisterung von einem „ganz tollen Auto“ erzählt. Ich frage dann immer, ob der begeisterte Auto-Fan diesen Wagen wenigstens Probe gefahren hat oder ihn vielleicht sogar schon länger besitzt und fährt. Ich will von ihm wissen, was an diesem Auto besser ist, als an anderen – wodurch dieses Auto ihn überzeugt hat. Warum er gerade davon so begeistert ist, und nicht von anderen Autos? Wenn sich dann herausstellt, dass es das einzige ihm bekannte Auto ist, dann verstehe ich zwar seine Begeisterung. Aber ich würde niemals vermuten, dass er tatsächlich der passende Auto-Einkaufs-Berater für mich sein könnte. Denn in diesem Moment weiß ich, dass ich mehr weiß als er! Ich habe schließlich schon sieben verschiedene Autos mehrere Jahre gefahren und kenne deren Vorzüge und auch ihre Macken. Ich weiß, von welchem Hersteller sie kommen, welcher Händler sie mir verkauft hat und in welcher Werkstatt sie gepflegt wurden. Außerdem bin ich sicher, dass die Modelle erst nach härtesten Crash-Tests auf den Markt kamen. Deshalb kann ich vergleichen, welches Auto am besten zu mir und meinen Bedürfnissen passt. Ich kann selbst entscheiden, was ich brauche.

Und mit Methoden oder Theorien, genau genommen mit jedem Wissen, ist es genau so: In der Anwendung zeigen sich ihre Stärken und auch ihre Grenzen. Genau deshalb werden sie auch fortlaufend weiter entwickelt – wenn sie seriös sind. Dann gibt es kritische Kommentare, Analysen und Diskussionen. Es lassen sich Fakten über ihren Wahrheitsgehalt oder ihren Wirkungsgrad finden. Ganze Teams arbeiten ebenso wie einzelne Experten an ihrer Überprüfung. Sie werden präzisiert, erweitert, manchmal auch widerlegt. Und damit kann kein einzelner Guru für sich in Anspruch nehmen, die eine einzige Methode oder Theorie erkannt zu haben.

Fortschritt ist immer Teamwork. Wer da Herausragendes leistet, ist sich dieser Tatsache bewusst. Führende Wissenschaftler beeindrucken ebenso wie hervorragende Führungskräfte oft durch ihre persönliche Bescheidenheit – und haben selten eine so heißblütige Fangemeinde. Denn ihnen ist klar, dass sie eines Tages „überholt“ werden von ihren Kollegen, Assistenten oder Schülern, die bereits jetzt viel Energie und Mühe für die Weiterentwicklung ihrer Arbeit aufwenden. Deshalb fürchten sie sich auch nicht davor, denn das Wissen kann dadurch nur wachsen. Und sie haben die absolute Gewissheit, dass Erkenntnis niemals endgültig ist – sondern sich ständig weiter entwickelt. Also brauchen sie auch keine Fans für die eine einzige Theorie oder Methode, die ja ohnehin überholt werden wird.

Dabei ist „überholen“ für den Erkenntnisgewinn nicht das Wichtigste, sondern es kommt darauf an, die eigenen Fußstapfen zu hinterlassen. Auch kleine Spuren können anderen einen wichtigen neuen Weg weisen. Aber:

„Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel“ (Paul Watzlawick)

Karin Rasmussen

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit. Søren Kierkegaard

wozu vergleichen?

Kürzlich wurde mir eine schwierige Frage gestellt, die viele Selbständige häufig beantworten sollen: Was machst Du anders als Andere?

Ganz abgesehen davon, dass ich die „Anderen“ gar nicht alle kennen kann, scheint mir die Frage auch ziemlich in die Irre zu führen. Denn eine sinnvolle Antwort würde doch voraussetzen, dass der oder die Fragende schon ganz viele „Andere“ kennen muss, um die Wahrheit meiner Aussage zu prüfen. Nehmen wir also an, ich antworte – wie die meisten meiner Kollegen – mit einer Beschreibung meines Angebots [und das ist wirklich einmalig, ich habe es gegoogled 😉 ], woher weiß man dann, ob das stimmt? Ich muss also, um überzeugend zu wirken, einen direkten Vergleich anführen. Zum Beispiel könnte ich erklären, dass Andere weniger tief in die Materie eingedrungen sind, eine schlechtere oder gar keine Ausbildung haben, mehr oder weniger Leistung erbringen, andere Preise haben und so weiter und so weiter …

Damit hätte ich der/dem Fragenden eventuell die Mühe erspart, sich durch entsprechendes Recherchieren selbst ein Bild zu machen. Übrigens wird als Antwort auf diese Frage wohl kaum jemand darauf hinweisen, was Andere besser machen als man selbst… Was wäre also damit erreicht?

Und warum wird diese Frage überhaupt gestellt?

Vermutlich soll es die Antwort auf eine ganz andere Frage erleichtern. Nämlich auf die Frage, ob ich „besser“ oder sogar „die Richtige“ bin. Die richtige Unterstützerin zur Lösung eines Problems, die richtige Gesprächspartnerin für eine Diskussion, die richtige Geschäftspartnerin oder vielleicht sogar die richtige Freundin? Und mit „richtig“ ist eigentlich eher „passend“ gemeint. Es geht – so glaube ich – um die Frage, was wir miteinander anfangen können, womit wir uns gegenseitig ergänzen, unterstützen, nützlich sein können oder sogar, ob wir uns mögen. Doch wie soll man auf diese – unausgesprochenen – Fragen antworten, wenn man an Anderen gemessen wird?

Oder geht es vielleicht sogar um einen offen oder verdeckt ausgetragenen Wettbewerb? Wer ist besser, schneller, klüger, preiswerter, nachhaltiger, erfolgreicher… als die Anderen? Geht es um Sieg oder Niederlage in einem Wettkampf? Um was wird da gekämpft?

In meinem schon etwas längerem Leben habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Welt voller guter, kluger, mutiger und vor allen EINMALIGER, unverwechselbarer Menschen ist. In diesem Sinne ist jede und jeder „Richtig“. Das heißt nicht, dass es nicht auch Menschen gibt, zu denen ich nicht passe – weil unsere Ansichten zu gegensätzlich sind, weil wir uns nicht verständigen können, zu verschiedene Lebensmodelle und Interessen haben oder weil wir uns eben doch nicht mögen. Aber deshalb ist doch keiner von uns falsch und der andere richtig – wir sind nur anders. Und deshalb lohnt sich das Vergleichen für mich nur, wenn es wettbewerbs-frei ist!

Ich habe für mich daraus eine Aufgabe abgeleitet: Wenn Du lernst, die Verschiedenheit der Menschen und ihrer Lebensentwürfe als Bereicherung zu empfinden, wirst Du selbstbewusster und das Glück kommt in Gestalt der „passenden“ Begegnungen öfter als bisher von selbst zu Dir. In diesem Sinne wünsche ich Euch allen viele spannende Treffen in unserem Netzwerk Barbara Fischer & Friends

Karin Rasmussen

Wenn Du eine weise Antwort verlangst, musst Du vernünftig fragen (Goethe)

frag den Himmel

Fragst Du Dich manchmal, wie Coaching funktioniert? Woher ein Coach, der seine Klienten ja oft gar nicht richtig kennt, wissen kann, was denen hilft? Nun, es funktioniert mit zuhören und Fragen stellen. Zuhören, was gefragt wird, oder wie ein Problem beschrieben wird und fragen, welche Veränderungen mit dem Coaching auf welchem Weg erreicht werden sollen.

Dabei ist es gar nicht so einfach, zufriedenstellende Fragen zu formulieren und Antworten zu geben. Bist Du auch öfters mal mit den Antworten unzufrieden, die Du auf Deine Fragen bekommst? Ich nehme an, das geschieht gar nicht so selten. Wenn mich zum Beispiel jemand fragt „was würdest Du an meiner Stelle tun?“, dann antworte ich häufig „ich bin nicht an Deiner Stelle und deshalb weiß ich nicht, was ich tun würde“.

Ebenso geht es mir mit der Frage nach der „besten“ Lösung. Da ich aus Erfahrung weiß, dass es für jedes Problem jederzeit mehrere machbare Lösungen gibt und dass jede Lösung gleichzeitig Vor- und Nachteile hat, kann genaugenommen keine Lösung die beste sein. Es gibt zwar sicherlich eine Lösung, welche uns in diesem Moment als die beste erscheint, aber auch diese kann sich schnell als unzulänglich herausstellen. Entweder passt sie nicht zur Situation, zu den verfügbaren Ressourcen oder zu den handelnden Personen.

Das heißt allerdings nicht, dass wir etwas falsch gemacht haben oder unfähig sind, die richtigen Lösungen zu finden. Vielmehr haben wir „das Beste daraus gemacht“. Nämlich genau das, was in diesem Moment mit den zur Verfügung stehenden Informationen als das Beste erkennbar war. Denn es ist allemal besser, eine Entscheidung zu treffen und danach zu handeln, als mit dem unendlichen Suchen nach der absolut besten endgültigen Lösung Geist, Energie und Zeit zu verbrennen.

Natürlich gehen wir damit immer das Risiko ein, neue Fragen oder Probleme zu erzeugen – und dafür Kritik zu ernten. Das lässt sich gar nicht vermeiden. Wer sich bemüht, fehlerfrei durchs Leben zu kommen, wird deshalb scheitern. Aber das wissen wir ja alle aus Erfahrung.

Deshalb ist es so hilfreich, viele Freunde mit Expertise auf den verschiedensten Gebieten zu haben. So wie bei „Barbara Fischer & Friends“. Da kannst Du einfach fragen, was Dich bewegt – und Du findest mindestens eine*n Expert*en, um eine Anregung für mögliche Lösungen zu bekommen. Niemand wird Dich für dumm halten oder Dich mit platten Sprüchen abspeisen, Du solltest Dich nur bemühen, die gewünschte Lösung für Dein Problem oder Deine Frage genau so zu formulieren, wie Du sie meinst. Dann klappt’s auch mit den Antworten von Freunden und Experten.

Karin Rasmussen