Das Leben dauert zwei Tage. Einer davon ist jetzt.

Das Leben dauert zwei Tage. Einer davon ist jetzt.

Dieses Zitat stammt von einer Postkarte, auf der eine Schwarz-weiß-Aufnahme zu sehen ist von einer Frau, die auf einem Deko-Elefanten sitzt und lacht. Das Bild drückt für mich genau die Lebensfreude aus, die diese zwei Sätze beschreiben.

Die Karte habe ich vor ein paar Jahren in Zürich gekauft und sie passte damals so perfekt zu meiner Situation, dass ich mir vornahm, diesen Spruch ab sofort zu meinem Lebensmotto zu machen.

Ich hatte mich damals gerade selbständig gemacht, verdiente noch kein Geld damit und wusste auch nicht, wie sich das Ganze weiter entwickeln würde. Eine Reise nach Zürich, das bekanntermaßen ja ein recht teures Pflaster ist, war also einigermaßen unvernünftig.

Dennoch haben wir – mein damaliger Freund und heutiger Ehemann und ich – uns ganz spontan dazu entschieden, nachdem wir Aufnahmen aus Zürich im Fernsehen gesehen hatten. Eigentlich war eine ganz andere Reise geplant. 😉

Die Entscheidung war genau richtig, ich denke noch heute mit Freude an die schöne Zeit, die wir dort verlebt haben, und schaue mir die Fotos an, die wir dort gemacht haben.

Natürlich ist es generell sinnvoll, sich an seinen finanziellen Möglichkeiten zu orientieren. Und natürlich muss man, gerade als Selbstständiger, auch in die Zukunft schauen und mittel- und langfristig planen.

Der Blick in die Vergangenheit kann helfen, Dinge zu verstehen und aus Fehlern zu lernen, für die Zukunft können wir die Weichen stellen.

Was wir aber dabei nicht aus den Augen verlieren sollten, ist, dass das Leben selbst genau jetzt passiert und unsere ganze Aufmerksamkeit verdient.

Zürich, Blick vom Lindenhof auf den Limmat und das Fraumünster
Zürich, Blick vom Lindenhof auf den Limmat und das Fraumünster

“Mit dem, was du selbst tun kannst, bemühe nie andere.” Thomas Jefferson

Es gibt viele Gründe, weshalb Menschen sich für die berufliche Selbständigkeit entscheiden. Man kann genau das zu arbeiten, was man selbst möchte. Man hat die Möglichkeit, seine Arbeitszeiten freier einzuteilen und auf die eigenen Bedürfnisse zuzuschneiden. Man kann weniger oder mehr arbeiten als als Angestellter. Man arbeitet eher für sich selbst als für andere. Man kann eigene Ideen umsetzen. Aber einer der wichtigsten Gründe für mich ist: ich darf alles selbst machen!
Das was für andere eher eine Last ist, ist für mich die Lust an der Selbständigkeit. Die Möglichkeit, Dinge selbst zu tun, nicht auf andere zu warten, Entscheidungen alleine treffen und aktiv ins Handeln kommen, auf ganz praktische Weise – genau das brauche ich für meine berufliche Zufriedenheit.

Natürlich ist es oft sinnvoll, Aufgaben abzugeben. Gerade dann, wenn wir sie selbst nicht gut beherrschen, sie eine Last für uns sind und es jemand anderen gibt, der in der Bewältigung der Aufgabe bewanderter und motivierter ist.
Manchmal geben wir Aufgaben aber zu schnell ab. Aufgaben, die wir durchaus relativ mühelos selbst bewältigen können, deren Anfang uns aber schwerfällt. Den Lohn der Überwindung sollten wir jedoch nicht unterschätzen. Eine Aufgabe, vor der wir uns erst gedrückt haben, letztendlich wirklich selbst zu erledigen, macht uns nicht nur stolz, sondern auch selbstsicherer. Sie lässt uns wachsen und in unsere Fähigkeiten vertrauen.

Selbständigkeit ist nicht nur eine Form Erwerbstätigkeit, sondern auch ein Wert. Ein Wert, der mit Eigenständigkeit, Wachstum und Reife verbunden ist.
Es ist ein Wert, den wir gleichzeitig anstreben, aber auch fürchten.
Als Kind leben wir in Abhängigkeit von unseren Eltern und anderen erziehenden Personen. Diese Abhängigkeit sorgt dafür, dass wir keine komplette eigene Entscheidungsgewalt haben, schenkt uns aber den Luxus der Verantwortungslosigkeit.
Wenn jemand anderes über unser Leben bestimmt, müssen wir keine Verantwortung tragen. Wir müssen uns als Kind (in der Regel) keine Gedanken machen, wie wir uns verpflegen oder wo wir schlafen. Wir denken nicht darüber nach, mit wem wir zusammenleben und wer zu Besuch kommt.
Und das ist gut so, denn wir brauchen die Energie für unsere eigene Entwicklung, um uns als Individuum zu finden, um zu lernen. Je mehr wir uns dessen bewusst werden, was uns wichtig ist und wer wir sind, desto autarker beginnen wir zu agieren.
Optimalerweise wird uns die Freiheit, die wir dafür brauchen, nach und nach gewährt.

Die Aufgabe, ein Individuum sich als Individuum begreifen und entwickeln zu lassen, es dabei zu unterstützen und später in die absolute Freiheit zu schicken, ist – finde ich – eine der schwersten.

Über die Jahre habe ich gelernt, dass es vielen Menschen umso besser geht, je selbständiger sie sein dürfen. In meinen Kursen will ich diese Selbständigkeit fördern und den Teilnehmern somit vor Augen führen, zu was sie eigentlich fähig sind.
Lange hatte ich Angst, mich selbst als Gruppenleitung damit überflüssig zu machen. Bis ich auf die Idee kam, genau das als Herausforderung und Thema zu nehmen. So entstand ein Kurs, der das klare Ziel hat, die Teilnehmer am Schluss in die Selbständigkeit zu entlassen, sie von mir unabhängig zu machen. Manchmal funktioniert es gut, manchmal nicht. Ich mache weiterhin Fehler und so sehr ich Angst vor Fehlern habe, so wichtig sind sie auch, um weiter zu kommen, besser zu werden. Und solange ich Dinge selbst mache, solange mache ich auch selbst Fehler. Fehler, aus denen ich selbst unmittelbar lernen kann.

Selbständig bedeutet für mich, selbst zu entscheiden, was ich wann, wie, wo und mit wem mache. Und das will ich zelebrieren.

Vom Ziel haben viele Menschen einen Begriff, nur möchten sie es gerne schlendernd erreichen. Johann Wolfgang von Goethe

Oje! Immer, wenn ich dieses Zitat lese, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Denn ich strenge mich wirklich gar nicht gerne an. Aber scheinbar ist dies eine der größten Tugenden, nach denen der Mensch streben sollte: sich anzustrengen. Und das auch noch gerne, freiwillig, mit Begeisterung!

Fast täglich bekomme ich Einladungen zu Seminaren, Workshops oder ganzen Kursen, in denen ich lernen soll, mein Mindset (also meine Art, die Welt und mein Leben zu betrachten, meine Glaubenssätze, meine Denkweise) zu verändern. Ich denke scheinbar falsch?

Bisher habe ich immer geglaubt, dass aller Fortschritt zustande kam, weil die Menschen sich ihr Leben leichter machen wollten. Ich dachte wirklich, das Rad wurde erfunden, um weniger tragen und weniger rennen zu müssen. Heute bewundern wir Sportler, die schneller rennen als jeder normale Mensch und die trotzdem langsamer sind, als jedes Auto. Und wir bauen Maschinen, die immer größere Lasten bewegen – ohne auf Gewichtheber herabzuschauen, die mit Muskelkraft viel weniger Last bewegen.

Irgendwie scheint es doch nicht nötig, dass JEDER sich IMMER anstrengt. Wenn ich zum Beispiel bei einem Vortrag auf der Bühne stehe, habe ich gar nicht das Gefühl, mich anzustrengen. Für andere wäre das möglicherweise anstrengend, aus den unterschiedlichsten Gründen. Natürlich bin ich vorbereitet, natürlich habe ich mir Gedanken gemacht und an meinem Vortrag gefeilt – aber ich habe dabei Spaß! Es ist eine Arbeit, die mir leicht fällt, weil ich sie gut kann. Ich kann sie gut, weil ich sie gerne tue. Deshalb tue ich sie auch oft. Und weil ich sie oft tue, werde ich darin immer besser. Diese Arbeit macht mir immer mehr Spaß, je öfter ich sie tue. Es ist mir – sozusagen – ein innerer Spaziergang.

Vielleicht kennt Ihr das, man nennt es „Flow“. Die Arbeit läuft praktisch wie von allein, alles passt zusammen, man ist in Bestform und vergisst Raum und Zeit und auch alle Ablenkungen, manchmal sogar die Pausen. Es fühlt sich nicht anstrengend an, sondern befriedigend, mitreißend, geradezu beglückend. Ich wünsche jedem, dass die eigene Arbeit so läuft, dass Ziele so erreicht werden können. Was es dafür braucht?
Selbsterkenntnis!

Der Mensch ist ein wunderbar multi-funktionales Wesen! Wir können (fast) alles lernen, uns an unglaublich viele Anforderungen und verschiedene Bedingungen anpassen, immer wieder Schwierigkeiten meistern – und damit immer wieder unsere eigenen Talente und Fähigkeiten weiter entwickeln. Nur tun wir das häufig nicht „artgerecht“, also entsprechend unserer individuellen Persönlichkeit, sondern unter dem Druck vermeintlicher Notwendigkeiten. Irgendwer will immer etwas von uns, von irgendwem werden immer Forderungen gestellt und Erwartungen geäußert. Oder wir werden unter Druck gesetzt, zu irgendetwas unseren Beitrag zu leisten …

Also ZIELE zu erreichen. Nur: sind das unsere eigenen Ziele? Haben wir überhaupt die Chance, eigene Ziele zu erkennen? Und dürfen wir eigene Ziele haben?

Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch etwas ganz Besonderes ist – und dass diese Besonderheit das wertvollste ist, womit wir für andere da sein können. Denn nur durch den Austausch dieser Besonderheiten können wir uns gegenseitig ergänzen und bereichern. Allein ist ein einzelner Mensch immer unvollkommen. Wir können vielleicht irgendetwas besser als andere – aber wir brauchen die Anderen, weil diese uns brauchen und weil sie uns dafür mit denjenigen Fähigkeiten zur Verfügung stehen, die wir selbst nicht so gut beherrschen, für die wir uns anstrengen müssen. Wenn also jede/r von uns Gelegenheit bekommt, das zu tun, was uns am meisten Spaß macht, weil wir dafür das größte Talent haben, wenn wir das immer öfter tun und darin immer besser werden, dann könnte es auch immer leichter werden! Dann könnte es unser größtes Ziel werden, für andere auf leichten Wegen nützlich zu sein und Spaß daran zu haben. Dann müssten wir uns weniger anstrengen und würden dennoch bessere Ergebnisse erreichen.

Meinen Coaching-Kunden rate ich oft: wenn es zu anstrengend wird, überprüfe Deine Ziele! Wo kommen sie her? Folgen sie nur einer Mode, einer äußeren Erwartung oder gar einer Vorgabe? Sind es wirklich DEINE Ziele?

Wenn ich dann als Antwort ein „man muss doch“ erhalte, dann weiß ich, dass die Anstrengung riesig wird und die Erfolgsaussichten trotzdem gering sind. Und bisher hat sich immer wieder herausgestellt, dass gerade die gefühlte Anstrengung ein ganz wichtiges Signal ist, dem bald darauf Erschöpfung, Enttäuschung, Frust und manchmal die Kündigung oder gar der Burnout folgt.

Also, ehe Du Dich anstrengst, um ein Ziel zu erreichen, das nicht DEIN Ziel ist, überlege lieber, was Du gern tust, was dir Spaß macht, worin Du Erfüllung findest. Dann darf und wird es nämlich auch leicht sein – und genau deshalb doppelt wertvoll für Dich und die Anderen. Denn die können daran ihre Freude haben, weil es ihnen die Anstrengung erspart. Es darf leicht sein, denn es ist Dein Leben!

Karin Rasmussen

Gib niemals einen Traum auf wegen der Zeit, die es braucht, diesen zu erreichen. Die Zeit vergeht sowieso. (Earl Nightingale)

Bei einer Klavierlehrerin war eine Schülerin zu einer Probestunde angemeldet. Eine etwa sechzigjährige Frau betrat den Raum und erzählte: „Es war schon seit meiner Kindheit mein Traum, Klavierspielen zu lernen. Aber als ich klein war, da konnten meine Eltern sich die Unterrichtsstunden nicht leisten. Und später dann hatte ich wegen der beruflichen und familiären Verpflichtungen keine Zeit dazu. Nun aber will ich es einmal probieren!“
Die Lehrerin erklärte der Dame alles und diese absolvierte die ersten Übungen am Klavier – und es lief gar nicht schlecht.
Nach der Probestunde meinte die Frau, es habe ihr sehr gefallen, aber sie brauche doch noch etwas Bedenkzeit.

Zwei Tage später rief sie bei der Klavierlehrerin an: „Die Probestunde hat mir wirklich Spaß gemacht. Aber wissen Sie: Bis ich richtig gut auf dem Klavier spielen kann, vergehen bestimmt zehn Jahre, dann bin ich schon 70…“
Die Lehrerin antwortete lächelnd: „Ja, das stimmt. Und wissen Sie was? Wenn Sie jetzt nicht mit dem Klavierspielen anfangen, dann sind Sie in zehn Jahren auch 70.“
Drei Tage später hatte die Dame ihre erste reguläre Klavierstunde.

Johanna Madrasch

PS: die Geschichte habe ich mal irgendwo gelesen, ich kann mich aber nicht erinnern, wo das war.

„Schenken heißt, einem anderen etwas geben, was man am liebsten selbst behalten möchte.“ Selma Lagerlöf

Ab und zu nehme ich mir eine Urlaubswoche. Ich arbeite dann trotzdem, aber mehr nach Lust und Laune. Ich versuche ein bisschen Urlaubsstimmung in den Alltag zu bringen, schlafe morgens lange aus und starte zum Beispiel mit einem schönen Buch in den Tag. Außerdem meide ich in dieser Urlaubswoche Facebook.

In der letzten Woche hatte ich eine Urlaubswoche und habe mir dieses Mal vorgenommen, ein wenig Sommerpost an Freunde zu schreiben. Ich bin zwar nicht verreist, aber über Urlaubspost freut man sich doch immer, egal woher sie kommt, nicht wahr? Also packte ich kleine Päckchen und verschickte Postkarten und Briefe.
Das war quasi mein Auftakt zum „Geschenke-Sommer“, denn viele meiner Freunde und Familie haben im Sommer Geburtstag. Weitere Post steht schon in den Startlöchern und wird in den nächsten Wochen zu den jeweiligen Geburtstagen verschickt.

Ich war schon immer eine begeisterte Schenkerin! Geben ist immer befriedigender als Nehmen, denn man hat das Gefühl, etwas zu bewirken, einen anderen Menschen glücklich(er) zu machen. Schenken hat nicht zwingend etwas mit Materiellem oder Geldwerten zu tun, sondern mit dem Wunsch, dem anderen etwas zu geben, was mir wichtig ist.
Wenn man es runterbricht, ist das in den allermeisten Fällen Lebenszeit. Sobald ich jemand anderem Zeit schenke, gebe ich etwas für mich essentiell wichtiges weg oder teile es mit der Person.
Und das Geschenk der Zeit ist unbezahlbar.

Auch in meiner Arbeit bin ich immer wieder dankbar, wie großzügig meine Kursteilnehmer Zeit und Engagement an die Gruppe verschenken. Wieviel Einsatz sie zeigen, was sie für Ideen einbringen, wie sie sich gegenseitig unterstützen. Wieviel Essen sie bei den Aufführungen heranschaffen und welche Kontakte sie spielen lassen. Und ohne diese Großzügigkeit geht es nicht, kommt keine Aufführung zustande.

Ohne Großzügigkeit funktioniert auch Liebe nicht. Liebe vermehrt sich, wenn ich sie verschwende. Je knauseriger ich im Verteilen meiner Liebe bin, desto mehr verkümmert sie.
Mit der Kreativität ist es genauso – auch sie ist ein Gut, das sich nicht verbraucht, sondern – im Gegenteil – stärker wird, je öfter ich es nutze. Wir können in so vielen Dingen großzügig sein und sind es meist doch nicht. Wir haben soviel zu geben, in freien Stücken, so viel Reservoir, das größer wird, je mehr wir davon verschenken.
Wir schöpfen dieses Reservoir aber nicht aus. Aus Angst. Aufgrund schlechter Erfahrungen, in denen unsere Großzügigkeit missbraucht wurde, in denen wir verletzt wurden. Aber fühlen wir uns besser, wenn wir das Reservoir geschlossen halten? Wenn wir nichts mehr raus- und somit auch nichts mehr reinlassen?
Wie wäre es, wenn wir TROTZ dieser negativen Erfahrungen großzügig sind? Dann gewinnen wir. Dann öffnen wir uns wieder und erleben, wie schön es sein kann, zu schenken.
Und großzügig heißt nicht unvorsichtig, sondern eben nur – großzügig.

Vielleicht macht auch ihr diesen Sommer zu einem Geschenke-Sommer? Und verschickt Urlaubspost von zu Hause?

Sarah Bansemer

Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Leben muss man es vorwärts. Søren Kierkegaard

Wegscheide

Für mich heißt das: Du bist nie gut genug vorbereitet!

Auch wenn ich es versuche, so viel wie möglich zu beachten und zu bedenken, es passiert in meinem Leben ständig etwas Unvorhersehbares. Meistens sind es Kleinigkeiten, die ich nicht erwartet oder übersehen habe. Aber manchmal gibt es auch große Überraschungen. Und dann muss schnell eine passende Reaktion gefunden werden. Vielleicht muss ich mich entscheiden – für oder gegen etwas. Oder ich muss um-organisieren. Termine verlegen, andere informieren, zusätzliche Vorbereitungen treffen. Manchmal muss ich auch auf etwas verzichten oder ich muss eine Chance nutzen, sonst ist sie vorbei …

Hinterher bin ich dann meist schlauer. Ich kann ziemlich genau erklären, wie es kommen konnte, dass … Oder wie es besser gewesen wäre, wenn …

Ich glaube, das kennt jeder von uns. Es kommt immer wieder vor, dass wir eine Entscheidung nachträglich anders gestaltet hätten, wenn wir es vorher besser gewusst hätten. Mancher verbringt sein ganzes Leben mit solchen Vorher-Nachher-Geschichten, um sich und anderen die eigene Biografie zu erklären. Nur: dadurch ändert sich die Biografie ja nicht!

Und da wir (außer vielleicht die Hellseher unter uns) nicht vorher genau wissen können, was als Nächstes und was in fernerer Zukunft passieren wird, müssen wir immer mit dem Risiko von „Fehlern“ leben. Einer meiner verdienstvollen Mentoren hat mir mal in so einer brenzligen Situation, als ich nicht wusste, wie ich mich „richtig“ entscheiden sollte, erklärt: „Jede Entscheidung ist zu dem Zeitpunkt, wo sie getroffen wird, eine richtige Entscheidung, wenn sie auf bestem Wissen und Gewissen beruht. Solange Du Deine Entscheidung vertreten kannst und berücksichtigst, was Du weißt, hast Du Dich richtig entschieden.“ Eigentlich ist das logisch, denn jeder Verstoß gegen meine Werte und gegen mein Wissen wäre eine falsche Entscheidung. Zumindest dachte ich das ziemlich lange.

Doch dann fiel mir wieder ein, wie viel Wissen mir noch fehlt. Und wie viele Menschen ebenfalls noch mehr Wissen suchen. Und meine Lehrer fielen mir wieder ein, mit dem oft zitierten Spruch: „Nicht für die Schule lernen wir, sondern für das Leben“. Allerdings hatte sich das während meiner Schuljahre oft genau umgekehrt angefühlt.

Wie kann man sich also darauf vorbereiten, das Leben „vorwärts“ zu leben? Sicher, lernen ist die beste Strategie – und zwar aus allem, was Dir und um Dich herum geschieht. Denn je mehr Du kannst und weißt, umso variantenreicher kannst Du auf das Unvorhergesehene reagieren. Aber reicht das?

Inzwischen denke ich, dass ich sehr viel Einfluss habe auf das, was mit mir und um mich herum geschieht. Egal, ob es um Umweltschutz, sozialen Frieden, Gesundheit oder meine Speaker- und Coacheinsätze geht: Ich kann wählen, was ich in die Welt bringe. Ich entscheide selbst, welchen Themen ich mich widme, mit welchen Menschen und Firmen ich kooperiere oder wen ich für welche Aufgabe wähle. Und so hat es auch Kierkegaard wahrscheinlich gemeint: Dem Leben das eigene Gesicht und den eigenen Inhalt zu geben ist sinnvoll – auch, wenn wir den Sinn erst hinterher erkennen.

Karin Rasmussen

„Mit der Zeit nimmt Deine Seele die Farbe Deiner Gedanken an“ (Marc Aurel)

Kennst Du sie auch, diese Menschen, die alles durch die „rosarote Brille“ sehen – und die anderen, die alles „schwarzsehen“? Solche Menschen haben einen sehr einseitigen Blick auf sich, auf ihre Umgebung und auf das Leben, und das empfinden wir oft als nicht normal.

Meine Freundin Brigitte zum Beispiel, die hat definitiv eine „rosarote“ Einstellung. Die ist so gutgläubig und hilfsbereit, dass es schon an Naivität grenzt. Sie wird oft ausgenutzt und schafft es, sich sogar die negativen Erfahrungen schönzureden bzw. Entschuldigungen für die anderen zu  finden. Ich mag Brigitte sehr, aber ein Zusammensein mit ihr kann auch sehr anstrengend sein, da ich immer in Versuchung bin, sie auf den „Boden der Tatsachen“ zurückzuholen – in die Realität, die ich als richtig empfinde. Weil sie sich mit ihrer „esoterischen“ Einstellung oft selbst schadet bzw. Probleme und Handlungsbedarf nicht sieht oder falsch einschätzt.

Das Gegenteil davon ist mein (ehemaliger) Bekannter Jörg. Der sieht überall nur das Negative, immer vermutet er Lug und Betrug. Und natürlich ist er überzeugter Anhänger diverser Verschwörungstheorien. Jeder Kontakt mit ihm –selbst wenn es nur ein kurzes Telefonat oder eine Nachricht war – hat mich sehr belastet, hat bei mir zu schlechter Laune geführt. Daher habe ich die Beziehung völlig abgebrochen.

Wie kommt es, dass Menschen die Realität so unterschiedlich wahrnehmen und interpretieren?

Die Hirnforschung hat herausgefunden, dass wir das sehen bzw. wahrnehmen, auf das wir uns fokussieren. Im Alltag bekommt unser Gehirn unendlich viele Eindrücke, die es sortieren und verarbeiten muss. Dabei wird der allergrößte Teil als „unwichtig“ klassifiziert und gar nicht bewusst registriert. Nur die Informationen, mit denen wir uns beschäftigen, die wir als relevant klassifizieren, dringen in unser Bewusstsein vor und werden von uns wahrgenommen.

Das kennst Du sicherlich auch. Zum Beispiel, wenn Du darüber nachdenkst, dass Du Dir ein neues Auto kaufen willst. Vielleicht den neuesten VW Golf? Und plötzlich siehst Du überall Golfs – die Straßen sind voll damit. Das war doch vorher nicht so?
Oder wenn Du einen Kinderwunsch hast – dann wimmelt es plötzlich überall von Schwangeren und Eltern mit Babys.

Genauso wie mit den Golfs und den Babys funktioniert unser Gehirn auch mit anderen Dingen: mit Ängsten und Gefahren, mit Freude und Schönheit, mit positiven und negativen Emotionen.

Sich das bewusst zu machen, halte ich für sehr wichtig. Denn wie schon vor ca. 1900 Jahren der Philosoph und Kaiser Marc Aurel mit dem Spruch „Mit der Zeit nimmt deine Seele die Farbe deiner Gedanken an“ klarmachen wollte: es ist ganz wichtig, was wir über uns selbst und unsere Umgebung, unsere Lebenssituation und die Weltsituation im Allgemeinen denken – denn das hat einen großen Einfluss darauf, wie es uns geht. Im Extremfall sehen wir alles rosarot oder schwarz, im Idealfall befinden wir uns irgendwo in der Mitte. Wobei der „Idealzustand“ sicherlich bei jedem anders ist, und auch je nach Tagesform schwankt.

Mir ist es wichtig, klarzustellen, dass wir die Farbe unserer Seele – also wie es uns geht – selbst beeinflussen können. Indem wir uns bewusst machen, was und wie wir denken. Wenn wir ständig nur Probleme wälzen, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn alles grau erscheint. Und wenn wir überall nur die schönen Dinge wahrnehmen, dann übersehen wir vielleicht Warnzeichen, wo in unserem Leben etwas schiefzulaufen droht.  

Zu beobachten, wie und was man denkt, sich die inneren Dialoge bewusst machen – das ist ganz wichtig für die seelische Gesundheit. Und darauf wollte Marc Aurel hinweisen.

Wenn Dir das schwerfällt, hier ein kleiner Tipp: führe mal eine Weile ein Tagebuch.
Schreib einfach täglich auf, was Dir so durch den Kopf geht – völlig ungefiltert und ehrlich, nur für Dich selbst.
Was das für einen Sinn hat? Zum einen ist das im Moment des Schreibens  sehr erleichternd und befriedigend – es ist schön, wenn man Dinge ausformuliert und an das Tagebuch „abgibt“.
Und richtig spannend wird es dann, wenn man die Einträge nach einer Weile – also wenigsten ein paar Wochen später, damit da schon eine gewisse Distanz ist – noch einmal durchliest. Da entdeckt man dann Muster und Themen, die man vorher nicht gesehen hat.

Also: beobachte Deine Gedanken, beeinflusse sie auch bewusst – damit Deine Seele eine schöne Farbe hat  🙂

Johanna Madrasch

„Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe“ (Pippi Langstrumpf)

Pippi Langstrumpf

Dieses Zitat verdanke ich Antje Remke, die es neulich auf Facebook geteilt hat, und ich dachte sofort, ja, genauso geht es mir auch.

In meinem ersten Leben als Angestellte war ich sehr oft eher Annika, das heißt ich traute mir viele Dinge nicht zu, die ich wahrscheinlich aber doch gekonnt hätte. Dabei habe ich ganz vergessen, dass ich das sogar schon oft gemacht habe.

Als ich 1997 nach einem längeren Aufenthalt in Nigeria nach Berlin zurückkehrte, suchte ich dringend einen Job. Ich fand einen bei einem Unternehmen, das man heute als Start-up bezeichnen würde: der ersten Internet-Stellenbörse für IT-Personal.

Ich war dafür zuständig, die Stellenanzeigen der Kunden – zumeist von Vorlagen, die für die Zeitung erstellt worden waren – in HTML abzubilden. Nur, dass ich zuvor noch nie mit HTML zu tun hatte.

Ein Kollege zeigte mir und einer Kollegin den HTML-Editor Frontpage und los ging’s. Viel später gab es dann noch mal ein Seminar in CSS, was damals der neueste „heiße Scheiß“ war, aber da waren wir ja schon fast Profis.

Ähnliches erlebte ich einige Jahre später, als ich wieder einen neuen Job antrat, diesmal bei einem Domainregistrar und Hoster. Ich musste nicht nur lernen, wie man Domains bei den Vergabestellen registriert und umzieht sondern auch, wie DNS funktioniert und wie man das Routing der verschiedenen Dienste in die Datenbank einträgt. Was hatte ich für eine Angst, als ich zum ersten Mal alleine im Support war und damit rechnen musste, dass Kunden anrufen und Hilfe brauchen. Von mir.

Und was soll ich euch sagen, es hat geklappt und niemand hat sich über eine ahnungslose Supporterin beschwert.

Als ich dann vor drei Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit machte, gab es kein Netz und keinen doppelten Boden mehr. Das hatte ich ja tatsächlich noch nie gemacht und ich hatte auch keine Ahnung, ob ich es kann.

Die erste Hürde war hier das Knüpfen von Kontakten bei Netzwerktreffen. Mit fremden Leuten zu sprechen, die sich womöglich aber gegenseitig kennen, das war für mich schier unmöglich.

Mit moderierten Gesprächsrunden ging es dann aber doch und als ich eines Tages gefragt wurde, ob ich nicht mal einen Vortrag halten wolle, habe ich das schier Unmögliche gewagt. Und siehe da, es hat auch funktioniert und gar nicht mal schlecht.

Der Rest ist Geschichte: Ihr kennt mich jetzt als Gastgeberin von Netzwerkveranstaltungen und dass ich trotzdem manchmal Lampenfieber habe, merkt man hoffentlich nicht so sehr. 😉

Ich werde auch in Zukunft noch viele Sachen anfangen, die ich noch nie probiert habe, denn ich bin sicher, dass ich sie kann.

„Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“ (Henry Ford)

Dieser Satz ist so simpel und bringt es genau auf den Punkt – den Fakt, dass wir uns nicht weiterentwickeln, wenn wir nichts neues wagen.
Entwicklung findet immer dann statt, wenn wir einen Schritt aus unserer Komfortzone herauswagen, wenn wir ihre Grenzen Stückchen für Stückchen ausdehnen.

In meinem Job habe ich den wunderbaren Luxus, andere Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu unterstützen. Vielleicht auch sie ab und zu voranzutreiben.
Aber vor allen Dingen: sie zu beobachten.
Wenn ich eine Theatergruppe über mehrere Jahre begleite, bin ich immer wieder erstaunt, wie deutlich Entwicklungen zu beobachten sind. Dabei gehen die persönlichen Entwicklungen mit den schauspielerischen Hand in Hand.
Mit jeder neuen Rolle, die innerhalb weniger Monate einstudiert wird, wird die Person herausgefordert. Sie muss sich eine neue Sprechweise antrainieren oder neue Bewegungsmuster aneignen. Solch ein anderes Verhalten in den Körper zu transportieren ist eine wahnsinnig schwierige Aufgabe. Umso größer ist die Freude, wenn genau das gelingt.


Oft habe ich erlebt, dass die Entwicklung einer Figur während der Proben stagnierte. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Anforderungen, die die Rolle stellt, einfach zu hoch sind, vielleicht unschaffbar. Doch plötzlich, bei der Premiere, mit der Energie, die die Bühne und das Publikum einem geben, wurde diese Rolle lebendig. Ich wurde umgehauen mit einer neuen Spielweise, die Monate lang versteckt war.
Vielleicht aus Unsicherheit. Vielleicht aus Scham. Vielleicht aus Abneigung gegen die Rolle. Vielleicht, weil die Bühnensituation gefehlt hat. Die Gründe sind so vielfältig und individuell wie die Spieler.

Aber mit jeder neuen Rolle entwickelten sich die einzelnen Menschen auch auf persönlicher Ebene weiter. Mit jedem Notfall, mit jeder Herausforderung, mit jeder Katastrophe und mit jedem Freudenjubel über das gemeinsam erreichte Finale gewinnt jeder einzelne ein Stück mehr Freiheit.
Die Freiheit, eigene Facetten zu leben. So wie ein Baum im Laufe seines Lebens wächst, Äste ausbildet, aus denen wiederum kleinere Äste und daraus kleine Zweige entstehen, an denen Blätter, Blüten und Früchte wachsen, so entwickeln auch wir uns erst in die Höhe und dann – im Optimalfall – immer weiter in die Breite. Wir lernen und probieren Neues aus, wir werden in manchen Bereichen stärker und gefestigter und entwickeln auf dieser Basis neue Interessen, um in andere Höhen vorzustoßen.

Oft ist einem diese Entwicklung gar nicht gewahr. Wir können einfach öfter mal innehalten und zurückblicken. Einen gedanklichen Zeitsprung in die Vergangenheit machen und unser altes Selbst betrachten. Dann merken wir plötzlich: wow, so weit bin ich schon gekommen!

Mit jeder Herausforderung, die wir annehmen, mit allem Neuem, dem wir uns stellen, setzen wir die Weichen für die eigene Entwicklung. Lasst uns wachsen und Neues probieren!

Sarah Bansemer

Man kann niemanden überholen, wenn man in seine Fußstapfen tritt. (François Truffaut)

Problem?

Dieses Zitat fällt mir immer wieder ein, wenn mir mal wieder jemand eine „ganz neue Methode aus Amerika“ empfiehlt, um mich darin auszubilden oder mich nach der Methode zu behandeln. Natürlich hat die so gepriesene Methode eine sehr exotische Bezeichnung und stammt von einem ganz besonderen Experten! Es werden Namen genannt, als müsste die ganze Welt wissen, wer das ist. Häufig handelt es sich bei dem Urheber/der Urheberin um AutorenInnen, TrainerInnen oder Coaches, die gerade im Internet Furore machen und in aller Munde sind, weil sie angeblich ein ganz neues Verständnis für die innersten und persönlichsten Prozesse des menschlichen Lebens möglich machen. Oft können sie mich sogar von meinem rationalen Denken erlösen, weil sie den Zugang zu den geheimnisvollen spirituellen Weisheiten uralter Völker ermöglichen.

Nun will ich beileibe nicht behaupten, dass es da nichts Neues zu entdecken und zu beschreiben gäbe. Auffällig ist nur, dass diese Urheber der allerneuesten Erkenntnisse so viele heiß begeisterte Fans ausschließlich für ihre eine einzige Theorie oder ihr eigenes System gewinnen konnten. Denn die Fans können mir weder die Quellen noch die Grundlagen der so heftig beworbenen Neuigkeiten erklären. Sie kennen sie schlichtweg nicht – und es interessiert sie auch nicht.

Sie sind einfach nur begeistert. Sie empfinden das, wovon sie gerade sprechen, deshalb als grandios, weil es für sie neu ist. Sie haben (gefühlt) endlich eine Lösung für ein Problem kennengelernt, von der sie überzeugt sind. Dabei ist es ganz unwichtig, ob es die Lösung für eines ihrer eigenen Probleme ist, das sie schon lange beschäftigt und vielleicht sogar gequält hat. Dann wären sie vielleicht sogar etwas weniger begeistert. Es ist auch nicht wichtig, ob ich dieses Problem habe und dafür eine Lösung brauche. Aber offenbar war die Darstellung so überzeugend und verständlich, dass sie dieses für sie ganz neue Wissen unbedingt weitergeben wollen.

Aber mal ehrlich: Reicht Begeisterung allein schon aus, um den Wahrheitsgehalt oder gar den Nutzen, also den wahren Wert von Wissen, zu erkennen? Macht Fan-Sein zum Experten? Sind nicht vielleicht diese Fans genau genommen Opfer einer geschickten Manipulation geworden?

In mir regt sich bei so überbordender Begeisterung immer ein (gar nicht so leiser) Zweifel: Wissen die Fans, wovon sie reden? Haben sie die ganze Tragweite dessen, was sie mich lehren oder womit sie mich behandeln wollen, wirklich verstanden?

Mir geht es da so ähnlich, wie wenn mir jemand voller Begeisterung von einem „ganz tollen Auto“ erzählt. Ich frage dann immer, ob der begeisterte Auto-Fan diesen Wagen wenigstens Probe gefahren hat oder ihn vielleicht sogar schon länger besitzt und fährt. Ich will von ihm wissen, was an diesem Auto besser ist, als an anderen – wodurch dieses Auto ihn überzeugt hat. Warum er gerade davon so begeistert ist, und nicht von anderen Autos? Wenn sich dann herausstellt, dass es das einzige ihm bekannte Auto ist, dann verstehe ich zwar seine Begeisterung. Aber ich würde niemals vermuten, dass er tatsächlich der passende Auto-Einkaufs-Berater für mich sein könnte. Denn in diesem Moment weiß ich, dass ich mehr weiß als er! Ich habe schließlich schon sieben verschiedene Autos mehrere Jahre gefahren und kenne deren Vorzüge und auch ihre Macken. Ich weiß, von welchem Hersteller sie kommen, welcher Händler sie mir verkauft hat und in welcher Werkstatt sie gepflegt wurden. Außerdem bin ich sicher, dass die Modelle erst nach härtesten Crash-Tests auf den Markt kamen. Deshalb kann ich vergleichen, welches Auto am besten zu mir und meinen Bedürfnissen passt. Ich kann selbst entscheiden, was ich brauche.

Und mit Methoden oder Theorien, genau genommen mit jedem Wissen, ist es genau so: In der Anwendung zeigen sich ihre Stärken und auch ihre Grenzen. Genau deshalb werden sie auch fortlaufend weiter entwickelt – wenn sie seriös sind. Dann gibt es kritische Kommentare, Analysen und Diskussionen. Es lassen sich Fakten über ihren Wahrheitsgehalt oder ihren Wirkungsgrad finden. Ganze Teams arbeiten ebenso wie einzelne Experten an ihrer Überprüfung. Sie werden präzisiert, erweitert, manchmal auch widerlegt. Und damit kann kein einzelner Guru für sich in Anspruch nehmen, die eine einzige Methode oder Theorie erkannt zu haben.

Fortschritt ist immer Teamwork. Wer da Herausragendes leistet, ist sich dieser Tatsache bewusst. Führende Wissenschaftler beeindrucken ebenso wie hervorragende Führungskräfte oft durch ihre persönliche Bescheidenheit – und haben selten eine so heißblütige Fangemeinde. Denn ihnen ist klar, dass sie eines Tages „überholt“ werden von ihren Kollegen, Assistenten oder Schülern, die bereits jetzt viel Energie und Mühe für die Weiterentwicklung ihrer Arbeit aufwenden. Deshalb fürchten sie sich auch nicht davor, denn das Wissen kann dadurch nur wachsen. Und sie haben die absolute Gewissheit, dass Erkenntnis niemals endgültig ist – sondern sich ständig weiter entwickelt. Also brauchen sie auch keine Fans für die eine einzige Theorie oder Methode, die ja ohnehin überholt werden wird.

Dabei ist „überholen“ für den Erkenntnisgewinn nicht das Wichtigste, sondern es kommt darauf an, die eigenen Fußstapfen zu hinterlassen. Auch kleine Spuren können anderen einen wichtigen neuen Weg weisen. Aber:

„Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel“ (Paul Watzlawick)

Karin Rasmussen