„Wo Mann und Frau aufhört, da fängt der Mensch an.“ ugly duckling (Deutsches Theater)

Das Leben ist schon eins der Härtesten. Da kommen wir auf diese Welt, die so viele interessante Dinge für uns bereithält, die wir erfahren, erkunden und ausprobieren können.
Wir wachsen heran und entdecken Vorlieben und Interessen. Wir entwickeln Enthusiasmus und Schaffensdrang. Wir haben Lust, die Welt zu erobern, ob im Kleinen oder im Großen, gemeinsam oder allein.

Alles wäre so angenehm und schön … wenn da nicht das leidige Thema Geschlecht wäre.

Ob wir mit viel oder wenig Selbstvertrauen durch die Welt gehen, ist zur Hälfte genetisch festgelegt, der Rest entsteht durch Prägung und Erfahrungen.
Spätestens wenn wir erwachsen sind, realisieren wir, dass unser Geschlecht Vorteile und Nachteile mit sich bringt. Dass wir verschieden sind, steht außer Frage. Doch je nachdem, wie wir sozialisiert sind, in welchem Umfeld wir uns bewegen und mit welchen Medien wir uns umgeben, haben wir eine unterschiedliche Einstellung zu den geschlechtlichen Unterschieden und Gemeinsamkeiten.

Der „Gesellschaft“ gefällt es natürlich, wenn sich Frauen und Männer bzw. Mädchen und Jungen entsprechend der ihnen zugewiesenen Geschlechterrollen verhalten. Das macht es einfacher und überschaubarer. Wir lieben Regeln und die Trennung nach (biologischem) Geschlecht ist so wunderbar simpel. Das kann jeder verstehen und sich auch daran halten. Aber macht uns diese Trennung glücklich?
Ich habe das Gefühl, je mehr wir die Geschlechter voneinander abgrenzen, desto mehr benachteiligen wir uns gegenseitig. Je mehr wir trennen, desto schwieriger machen wir uns das Leben. Wir beginnen Dinge zu fordern, die uns vielleicht gar nicht liegen. Und die wir gar nicht wollen.
Indem wir den Geschlechtern Attribute zuschreiben, üben wir einen enormen Druck aus. Das klassische Männer- und Frauenbild lässt uns wenig Spielraum, uns frei zu entfalten und alle unsere Seiten offen zu leben.

Das Thema Gleichberechtigung der Geschlechter ist kein neues, aber auch noch gar nicht so wahnsinnig alt. Momentan befinden wir uns in einer neuen Feminismus-Welle, die besonders auch sehr junge Menschen mitreißt und motiviert, Gleichberechtigung zu fordern und zu leben.
Viele sehen nur eine Moral-Polizei in diesen jungen Leuten, aber jede Veränderung ist am Anfang immer unangenehm und störend. Es braucht eine gewisse Kraft und viel Druck, um gegen Widerstände anzukommen. Da ist es logisch, wenn es zu Aggressionen und Ablehnung kommt. Dennoch passiert dabei etwas ganz Wichtiges: Gleichberechtigung ist in aller Munde und in den Medien als Thema präsent.

Auch mir ist das Thema wichtig. Ich versuche, Gleichberechtigung zu leben – so gut es mir möglich ist.
In meinem Beruf als Theaterpädagogin, die auch viel Regie führt, begleitet mich das Thema tagtäglich – bei der Stückauswahl, bei der Rollenverteilung, bei der Inszenierung. Denn immer wieder ist es notwendig, gängige Geschlechterrollen zu erkennen, zu hinterfragen und jedes Mal neu zu entscheiden, ob es sinnvoll ist, sie in dem konkreten Fall zu bedienen oder nicht.
Ich ermuntere meine Gruppen, auch außerhalb der Klischees zu denken und Rollen mit anderen Geschlechtern zu besetzen als vorgegeben.
In meiner eigenen Regie-Arbeit und in meinem Solo-Theater macht es mir Freude, die Geschlechter komplett zu mischen oder auch mal gar nicht wirklich zu definieren, denn Menschen sind immer Menschen – mit den gleichen Emotionen und Verhaltensweisen. Vielleicht ist den Zuschauenden das Geschlecht irgendwann ganz egal …

Die Schwierigkeiten wachsen, je näher man dem Ziele kommt. Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Jahresende!!!

Da gerät so mancher in eine Alarm-Stimmung. Schnell noch ein Projekt zu Ende bringen, Endspurt zum Ziel, letzte Reserven mobilisieren, Anstrengungen intensivieren und so weiter, um WAS damit zu erreichen?

Ist dieses magische Datum, der letzte Tag des Jahres, tatsächlich so entscheidend? Müssen wir „fertig werden“, um am Ersten Januar oder bestenfalls am zweiten irgendetwas „von vorn“ anzufangen? Wir haben uns angewöhnt Bilanz zu ziehen, ehe wir einen Neuanfang starten. Doch: das hat mit dem tatsächlichen Leben nicht wirklich viel zu tun. Schon lange sind die Zeiten vorbei, in denen erst eine Aktion abgeschlossen wurde, ehe man die neue in Angriff nahm.

Projekte laufen parallel in verschiedenen Reifestadien. Einige Ziele haben wir schon fast vergessen, weil wir sie bereits vor Monaten erreicht haben. Von anderen Vorhaben haben wir uns verabschiedet, weil sie nicht mehr in unser Leben passten oder ihren Sinn verloren hatten. Und auch manche Beziehung hat sich während des zurückliegenden Jahres verändert.

Vielleicht ist diese Zeit des Rückblicks auf Erreichtes ganz sinnvoll, wenn sich Entscheidendes ändert. Das am Kalender, respektive am Jahreswechsel festzumachen, ist aber schwierig. In vielen Bereichen ändert sich nämlich gerade in dieser Zeit eher wenig. Im Gegenteil: Man hat den Eindruck, dass sich immer weniger bewegt, alles langsamer geht und die meisten Menschen eher mit Weihnachtsvorbereitungen und Privatangelegenheiten beschäftigt sind, als mit dem Erreichen wichtiger Ziele.

Aber möglicherweise entsteht dieser Eindruck auch gerade dadurch, dass zum Ende hin alles schwieriger zu werden scheint, wie der alte Goethe mit 60 Jahren in den „Wahlverwandtschaften“ feststellte?

Anfänge sind oft einfach. Der erste Schritt, die geringste Tat – und schon verändert sich etwas im Leben. Es tauchen Widerstände und Gegner auf, die vorher gar nicht zu erkennen waren. Aus dem Schwung und der Begeisterung des Anfangs wird das fleißige Durchhalten und Weiterkämpfen in den Mühen der Ebenen. Und es kommen Zweifel auf, ob sich die ganze Anstrengung auch lohnen wird, ob das Ziel erreichbar ist.

Je länger und je erfolgreicher man ein Ziel verfolgt, umso wichtiger werden Partner. Deshalb ist Freundschaft und Kooperation wichtiger als Kampf oder gar Sieg! Trotzdem ziehen wir ausgerechnet am Jahresende Bilanz. Die meisten von uns tun das im Kreise ihrer Lieben – die vielleicht im Verlauf des Jahres zu kurz gekommen sind. Weihnachten als Fest der Familie ist vielleicht sogar eine Art der Wiedergutmachung. Auch die Wegbegleiter zum Ziel, die nicht zur Familie gehören – also Freunde, Kollegen, Partner und sogar Kunden besinnen sich jetzt. Nur warum gerade jetzt? Stecken wir uns gegenseitig an? Lassen wir uns von der Jahresendzeit-Stimmung durch die Werbung überrollen?

Ich mache mir bei der „Inbetriebnahme“ eines neuen Kalenders als erstes Notizen über wichtige Meilensteine in meinen laufenden Projekten. Das sind die Daten, an denen ich Bilanz ziehe. Dazu gehört auch, mich bei meinen Wegbegleitern zu bedanken und mit ihnen gemeinsam zu feiern. Deshalb habe ich am Jahresende oft viel freie Zeit. Die nutze ich zur Erholung und zur Entspannung. Kein Stress, keine Jagd nach Geschenken, keine Reisen in überfüllten Zügen oder auf verstopften Autobahnen. Deshalb ist das Jahresende für mich auch kein Ziel-Termin. Meine verschiedenen Ziele reifen zu verschiedenen Zeiten mit unterschiedlichen Schwierigkeiten weiter. Mein Leben geht nämlich einfach weiter.

Das wünsche ich auch all meinen Freunden, Kollegen, Partnern und Kunden. Ziele zu erreichen schafft Höhepunkte – der Kalender kann sie bestenfalls dokumentieren.

Also: Zum Jahresende die besten Wünsche für alle Eure abgeschlossenen, laufenden und neu hinzukommenden Ziele und natürlich für Euer ganz persönliche Wohlergehen!

Eure Karin Rasmussen

Zusammenkommen ist ein Beginn. Zusammenbleiben ist ein Fortschritt. Zusammenarbeiten ist ein Erfolg. (Henry Ford)

Dieses Zitat von Henry Ford beschreibt kurz und knackig , wie es einem geht, wenn man als Selbständiger Kooperationen eingehen möchte und gemeinsame Projekte mit anderen plant. Er unterteilt die Entwicklung und Umsetzung von Kooperationen in drei Schritte, im Prinzip gilt das aber für jede Art von Beziehung.

Das erste Stadium des Zusammenkommens erreicht man recht oft. Auf Netzwerktreffen oder bei anderen Gelegenheiten knüpft man Kontakte mit anderen Selbständigen oder Unternehmern, mit denen man sich gerne zusammentun möchte. Da wird festgestellt, dass die Angebote sich ergänzen und es werden Projektideen und andere Planungen für eine Zusammenarbeit angedacht. Dies ist dann der Beginn einer möglichen Kooperation.

Beim zweiten Stadium setzt man sich dann zusammen und bespricht die Einzelheiten und Bedingungen der Zusammenarbeit. Hier kommt dann raus, ob man die gleichen Vorstellungen vom gemeinsamen Projekt hat und ob „die Chemie stimmt“. Haben alle Parteien die gleiche Basis, sind die verschiedenen Ideen und Fähigkeiten der Beteiligte kompatibel, dann kann es an die Planung der Details und die Umsetzung gehen, der „Fortschritt“ nach Henry Ford ist erreicht.

Schon öfter aber habe ich erlebt, dass in diesem Stadium festgestellt wird, dass man besser nicht zusammenarbeitet. Weil die Erwartungen zum Projekt und vom gewünschten Ergebnis zu verschieden sind. Weil es unterschiedliche Vorstellungen darüber gibt, wer sich wie und in welchem Umfang einbringen soll. Weil man feststellt, dass man sich menschlich doch nicht so gut versteht, wie anfangs gedacht. Oder weil irgendetwas anderes nicht passt…

In solch einem Fall sollte man die geplante Zusammenarbeit lieber sein lassen. Denn es kostet nur Zeit und Nerven, wenn man gewaltsam versucht, passend zu machen, was nicht passt. Wenn man aber den Eindruck hat, dass man gut zusammenarbeiten kann, dann geht es weiter:

Im dritten Stadium geht es um die konkrete Umsetzung der Pläne. Jeder leistet seinen Teil der Arbeit, hält Verabredungen ein, unterstützt sich gegenseitig, wenn mal was schief zu laufen droht – das klingt so selbstverständlich, ist es aber nicht.
Oft zeigt sich erst in der tatsächlichen Zusammenarbeit, dass die Vorstellungen vom geplanten Projekt, die eingebrachten Fähigkeiten und Ressourcen und das Engagement doch nicht zusammenpassen. Oder es kriselt menschlich, kommt zu Konflikten.

Wenn das Projekt in diesem dritten Stadium in Schlingern gerät, dann ist das besonders ärgerlich. Denn es wurde schon Zeit, Energie und meistens auch Geld investiert. Darum kann man die Zusammenarbeit meist auch nicht mehr so einfach beenden. Wenn es nicht gelingt, irgendwie wieder auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen und das Projekt noch durchzuziehen, dann ist das sehr ärgerlich.
Henry Ford hat gewusst, dass die gelungene Zusammenarbeit nicht einfach ist, dass da Planänderungen und gegenseitige Zugeständnisse möglich sein müssen – er hat das oft genug selbst erlebt.

Darum bezeichnet er erst die gelungene Zusammenarbeit als „Erfolg“.

Johanna Madrasch

“Liebe ist auch immer eine Entscheidung.” Anonym

Wir alle wollen geliebt werden. Wir wollen Nähe und Zuneigung, wir brauchen sie sogar zum Überleben. Aber damit wir geliebt werden, müssen wir auch selbst lieben.
Und diese Liebe passiert nicht einfach so aus dem Nichts, sie fliegt uns nicht zu wie eine Schwärmerei oder Verliebtsein. Sie wächst und sie ist eine Entscheidung. Liebe bedeutet das Zulassen einer intensiven Nähe, bedeutet, dass wir gern und aus freien Stücken geben, ohne Bedingungen. Weil es uns die Sache oder Person wert ist. Wenn wir lieben, ist uns das Objekt der Liebe so wichtig, dass wir mehr tun als den Pflichtanteil. Wir wollen, dass es dem Objekt der Liebe gut geht, dass es sich wohlfühlt.

Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für das, was wir tun und erschaffen. Wir beschäftigen uns den ganzen Tag mit Dingen, die wir selbst tun, die aus unseren Händen, unserem Geist, unseren Ideen entstehen. Und diese Dinge brauchen Liebe.
Wir sollten unsere Arbeit lieben! Immerhin verbringen wir den ganzen Tag mit ihr. Und wenn wir unsere Arbeit lieben, wenn wir lieben, was wir tun – dann lieben wir auch uns.

Die Liebe zu uns selbst ist essentiell. Wir verbringen unser ganzes Leben mit uns selbst. Es wäre absurd, wenn wir uns dann nicht lieben. Wir sind der Mensch, mit dem wir am meisten zu tun haben, der immer da ist, der uns am nahesten steht, der uns am besten kennt. Dieser Mensch hat die meiste Liebe verdient, denn er tut alles für uns.
Wir werden leider oft dazu erzogen, uns selbst nicht zu lieben. Leiden wird als hohes Gut angesehen, Bescheidenheit und Demut sollen unser Leben führen. Liebe zu uns selbst ist mit dem Wort „Selbstverliebtheit“ schon negativ konnotiert.
Aber warum sollen wir uns denn nicht selbst lieben? Weil wir dann nicht tun, was andere von uns wollen. Weil wir dann von der Zuneigung anderer abhängig sind. Und das ist für andere unglaublich praktisch, haben sie doch auf diese Weise jemanden, der sich nach ihren Wünschen richtet. Sie werden gebraucht. Und ich denke, das geschieht größtenteils unbewusst. Weil auch sie es nicht anders kennen.

Selbstliebe zu erlangen, wenn sie nicht anerzogen wurde, ist schwer. Aber es ist schaffbar. Am Anfang steht – wie auch am Beginn einer Liebesbeziehung – die Entscheidung zur Liebe.
An der Umsetzung arbeiten wir Menschen dann gemeinsam. Tschacka!

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne … Herrmann Hesse

Ja, das ist ein geflügeltes Wort. Es wird oft zitiert, ohne das ganze Gedicht „Stufen“ von Herrmann Hesse mit einzubeziehen. In diesem Gedicht geht es aber nicht nur um Anfang, es geht auch um Ende – die andere Seite eines Prozesses. Alles, was wir anfangen, erfüllt uns mit Hoffnung. Die Hoffnung auf Erfolg, die Hoffnung auf Wertschätzung, auf Anerkennung und auch auf Spaß und Erfüllung treibt uns immer wieder zu neuen Anfängen.

Manchmal sind es auch Probleme oder Schwierigkeiten, die uns einen neuen Anfang wagen lassen. Dabei denken wir uns das „Ende“ oft als den Lohn unserer Bemühungen. Wir wollen ja etwas erreichen, wir haben ein Ziel. Mit dem Anfangen ist die Vorstellung verbunden, dass am Ende irgend etwas Gutes herauskommt. Das motiviert uns und gibt uns Kraft.

Manche Menschen sind Meister des Anfangs. Immer wieder! Sie lassen sich von neuen Ideen und Projekten immer aufs Neue begeistern, stecken vielleicht sogar andere mit dieser Begeisterung an und reißen sie mit. Andere tun sich eher etwas schwer mit dem Anfangen. Sie zögern, wollen sich erst gründlich vorbereiten und vielleicht sogar erst die Sicherheit haben, dass es sich lohnt – gewissermaßen eine Vorab-Erfolgsgarantie.

Aber ganz egal, ob das Anfangen leicht oder schwer fällt – was nach dem Anfang kommt, sind die Mühen der Umsetzung. Dann erst zeigt sich, wie weit unsere Kraft reicht, wie stark das Ziel uns tatsächlich motiviert. Wenn wir etwas umsetzen, tauchen neue Fragen auf. Auch neue Schwierigkeiten oder Möglichkeiten können sichtbar werden – was wir am Anfang gar nicht wissen konnten, ist plötzlich real. Willy Brandt sagt dazu: „Man kann nie so kompliziert denken, wie es kommt“.

Oft empfinden wir solche Situationen als Etappen auf unserem Weg – bei Herrmann Hesse sind das die „Stufen“. Aber Stufen können nach oben oder nach unten führen, genau wie Wege führen sie irgendwo hin. Man kann sie auch, genau wie Wege, in verschiedene Richtungen begehen. Solange man in Bewegung bleibt…

Doch es gibt Schwierigkeiten, die auch mal zu einem nicht erfolgreichen Ende Anlass geben. Es kann durchaus sinnvoll sein, nicht jeden Prozess vom zauberhaften Anfang bis zum „bitteren“ Ende durchzuhalten. Nicht immer ist das eine Niederlage. Und schon gar nicht ist es ein Zeichen von Unfähigkeit, Faulheit oder Feigheit. Es kann ebenso ein Zeichen von gesundem Realitätssinn oder zum Beispiel von nachhaltigem Ressourcenmanagement sein. Wer dann leichtfertig den Spruch von der Komfortzone dahersagt, die man eben auch mal verlassen müsse, der hat die Komplexität von Prozessen einfach nicht verstanden. Denn schon nach dem ersten Schritt ist man ja längst aus der Komfortzone heraus! Spott und Hohn oder gar Häme sind also unangebracht, wenn nach einem Anfang ein schnelles Ende folgt. Vor allem, wenn dieses Ende nicht erzwungen, sondern ganz bewusst beschlossen wird.

Wenn also mal wieder ein Projekt nicht erfolgreich beendet wird, sondern unvollendet bleibt oder vorzeitig abgebrochen wird, kann das durchaus sinnvoll sein. Entscheidend ist: Ein neuer Anfang ist immer möglich!

Es steht nicht wirklich auf dem Grabstein von Willy Brandt „Man hat sich bemüht“, auch wenn sich dieses Gerücht hartnäckig hält. Dieses „Man hat sich bemüht“ war seine Antwort auf die Frage eines Journalisten. Ich finde aber, dies ist eine respektable und zu respektierende Lebenseinstellung. Insofern hat jeder Anfang auch Anerkennung und Unterstützung verdient, nicht erst das Ende. In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß und Kraft für den nächsten Anfang!

Karin Rasmussen

Nichts erscheint jenen unredlich, die gewinnen.

Nichts erscheint jenen unredlich, die gewinnen.

Dieses Goethe-Zitat begegnete mir erstmals – wen wundert’s – im Vorspann einer alten Akte-X-Folge. Es ging dabei um die Geschichte des „Smoking Man“, des mysteriösen Bösewichts im Hintergrund, dem hier so ziemlich alle Missetaten im Dunstkreis der Geheimdienste in der jüngeren amerikanischen Geschichte angedichtet wurden, von einer Alien-Verschwörung bis hin zur Ermordung von John F. Kennedy und Martin Luther King. Vermutlich sollte damit zum Ausdruck gebracht werden, dass er sich trotz allem im Recht wähnte, da er bislang zumindest nicht für seine Taten zur Rechenschaft gezogen wurde.

Auf den ersten Blick erscheint die Aussage schlüssig, doch bei näherem Hinschauen und weiterem Nachdenken kamen mir doch Zweifel. Wir kennen sicher alle solche Situationen: Wir haben mit einem genialen Schachzug eine Situation für uns entschieden und waren dabei vielleicht nicht so fein in der Wahl der Mittel.

Vielleicht haben wir uns die Unwissenheit, Naivität oder gar Schwäche einer anderen Person zunutze gemacht oder haben jemanden bewusst missverstanden und auf eine Aussage festgenagelt, von der wir wussten, dass sie eigentlich anders gemeint war.

Natürlich freuen wir uns zunächst über den errungenen Sieg und versichern uns selbst mit überzeugenden Argumenten, dass wir ja genau richtig gehandelt haben, nachgerade gar nicht anders hätten handeln können.

Doch natürlich wissen wir auch, an welcher Stelle die Redlichkeit unserer Handlung zumindest in Frage gestellt werden könnte.

Nun gibt es ja die Auffassung, dass Menschen generell ihre Interessen durchzusetzen versuchen und dabei die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel nutzen. Im Gegenzug ist jeder selbst dafür verantwortlich, sich gegen eine mögliche Übervorteilung durch andere zur Wehr zu setzen, alles nach der Devise homo homini lupusder Mensch ist dem Menschen ein Wolf.

Dieses ursprünglich aus der römischen Komödie Asinaria stammende Zitat lautet allerdings im Original „Lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit“, was bedeutet, „Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, kein Mensch, solange er nicht weiß, welcher Art der andere ist.“ Hier wird also unterschieden, ob man es mit einer bekannten oder unbekannten Person zu tun hat.

Auch hierfür fallen uns sofort Beispiele ein: Du findest 50 € auf der Straße. Wahrscheinlich würdest du sie behalten und nicht abgeben, da du ja nicht weißt, wer sie verloren hat und wo überhaupt dieses Fundbüro ist und wann es geöffnet hat. Hättest du aber gesehen, wie das Geld deiner Nachbarin aus der Tasche gefallen ist, würdest du es wohl aufheben und ihr hinterher tragen oder ihr in den Briefkasten werfen.

Noch deutlicher wird der Unterschied, betrachtet man die Quelle, aus der wir diesen Ausspruch hauptsächlich kennen: von dem englischen Staatstheoretiker und Philosophen Thomas Hobbes, der die Bedeutung dieses Satzes auf das Verhältnis von Staaten zueinander und ihre kriegerischen Auseinandersetzungen bezog.

Wir können es vergleichen mit unserer Haltung gegenüber Institutionen. Kaum jemand hat Skrupel, bei der Steuererklärung ein wenig zu schummeln, mit dem Auto schneller zu fahren als vorgeschrieben oder im Parkverbot zu parken. Handelte es sich um eine Vereinbarung mit einem Freund, würden wir uns wohl nicht so verhalten.

Für mich bedeutet dies, dass jedenfalls die meisten Menschen sich eines mit unredlichen Mitteln errungen Sieges nur dann wirklich erfreuen können, wenn sie das Opfer ihres Handelns nicht vor Augen haben.

Lasst uns also in Zukunft immer genauer hinsehen, wer das wohl sein könnte.

“Der Zauber steckt immer im Detail.” Theodor Fontane

Als Unternehmer und Selbständige brauchen wir oft langfristiges Denken. Wir planen im Großen und stellen neue Konzepte und Ideen auf, die dann getestet und für gut oder weniger gut befunden werden. Wir arbeiten Produkte aus oder trennen uns von nicht-funktionierenden Projekten.

Wenn wir dann mit der Lupe an unsere Arbeit gehen, entdecken wir lauter Details im großen Ganzen.
Doch was ist zuerst da? Die große Idee oder das Detail? Oder führt das eine zum anderen?
Ich bin generell ein Mensch mit Liebe für Details, und neue Werke und Projekte entstehen in der Regel zuerst aus solch einem Detail. Dieses Detail ist die Basis für die große Idee. Für mein Solo-Theater entsteht eine neue Inszenierung beispielsweise oft aus einer Idee für ein Kostüm, das ich gern tragen würde. Ausgehend von diesem Kostüm überlege ich dann, was für ein Stück oder Thema überhaupt zu diesem Kostüm passen würde.

Das ist eine eher ungewöhnliche Herangehensweise, die jedoch oft zu innovativen Ideen führt. Auch mein Gruppendrang-Kurs entstand aus einer Detail-Idee – nämlich dem Wunsch „Inkubator“ zu sein. Daraus strickte ich dann ein entsprechendes Kursangebot, das sich als Erfolg herausstellte.

Ich überlege außerdem, welche Details meine Arbeit für meine Kunden besonders machen. Welche Kleinigkeiten sind bei mir anders als bei anderen?
Ein Beispiel ist mein Spielzeit-Magazin, das praktischerweise nicht nur meinen Kunden, sondern auch mir selbst einen Überblick und Einblick in meine Arbeit gibt.

Wenn wir ins Detail schauen, haben wir viel mehr Möglichkeiten, schnell und leicht etwas zu verändern. Ihr wollt nachhaltiger arbeiten? Überlegt euch vor dem nächsten Flyerdruck genau, wie viele ihr wirklich braucht und wählt Recycling-Papier aus (das sogar billiger ist als das Standard-Papier). Ihr wollt eure Kunden zur Weihnachtszeit überraschen? Ein handgeschriebener Brief, wie es Johanna Madrasch vorschlägt, ist eine tolle Idee.
Die Liebe zum Detail kann als Routine in den Arbeitsfluss eingebaut werden. Wir können uns regelmäßige Zeitfenster nehmen, um unseren Arbeitsalltag, unseren Online-Auftritt, unsere SocialMedia-Seiten oder auch die Kundenbeziehungen mal mit der Lupe anzuschauen und kleine Details zu ändern oder neu zu etablieren.

Die Liebe zum Detail ist auch immer eine Wertschätzung des Kunden … oder in meiner Arbeit auch des Publikums.

Detailverliebtheit ist keine Perfektion. Sie ist nicht mehr und nicht weniger als die Liebe und Aufmerksamkeit, die wir einer Sache zukommen lassen.

Nichts ist so gewiss wie die Ungewissheit

Ich weiß nicht mehr genau, von wem ich diesen Satz zuerst gehört oder wo ich ihn gelesen habe. Deshalb kann ich ihn auch nicht wirklich als Zitat ausweisen. Aber der Gedanke dahinter ist schon spannend. Wenn wir doch wüssten, was auf uns zukommt! Dann würden wir sicher in manchen Fragen andere Entscheidungen treffen. Oder doch nicht?

Mich hat diese Ungewissheit gestern in das neue Futurium getrieben. Ein Museum der Zukunft? Das ist doch in sich an Paradoxon! Wie kann in einem Museum etwas zu sehen sein, was es noch gar nicht gibt? Und wer kann denn wissen, was da ausgestellt werden muss und was nicht?

Genau das hat mich neugierig gemacht. Und siehe da- die Macher haben gar nicht den Anspruch, es schon zu wissen. Sie wollen mit uns allen gemeinsam darüber ins Gespräch kommen, wie wir in Zukunft leben WOLLEN. Als ob es danach ginge! Meine Vorfahren mehrerer Generationen haben mir doch beigebracht, dass es niemals danach geht, was wir wollen. Unsere Wünsche haben genau genommen beinahe fast gar nichts zu sagen. Und jetzt auf einmal wird da öffentlich gefragt. Das ist eine echte Herausforderung!

Also habe ich mir eine Diskussionsrunde gegönnt, deren Fragen mich berührten. Es ging um Utopien und um die Frage, wie wahrscheinlich sie sind. Eine Frage fand ich – weil sie meine Zielgruppe, die Führungskräfte betrifft – ganz besonders spannend: „Wird es in Zukunft keine Chefs/Chefinnen mehr geben?“

Der Referent sprach aus eigener Erfahrung von einem kollektiv geführten Unternehmen und von Entscheidungen, für die ganze Teams Verantwortung tragen. „Na gut“ dachte ich, so ganz neu ist das ja nicht. In den meisten Familien gibt es ja schon ähnliche Erfahrungen. Wenigsten manchmal. So als Beispiel, wenn es um den sonntäglichen Speiseplan geht.

Also mal ehrlich: wer braucht schon einen Chef, oder sogar gleich mehrere davon?

Wie sich zeigte, wünschte sich etwa die Hälfte des Publikums aber doch, dass es auch in Zukunft Führungskräfte geben sollte. Oder man konnte sich einfach nicht vorstellen, wie das gehen soll – so ganz ohne „die da oben“.

Und da hat es bei mir wieder mal „Klick“ gemacht. Wir brauchen sie nämlich doch! Wenn wir selbst nicht genug Überblick haben, es uns an Erfahrung oder generell an Kompetenz fehlt und wir uns der Verantwortung gar nicht stellen wollen oder können.

Es müssen nur nicht immer die gleichen sein! Und sie müssen auch nicht „oben“ sein! Es kann durch aus ohne Chef-Posten gehen, wenn die Verantwortung nach der größten Kompetenz aufgeteilt wird. Je komplexer nämlich Prozesse und Probleme sind, umso seltener verfügt ein einzelner über alle notwendigen Ressourcen und das erforderliche Know-how.

Also mir gefällt der Gedanke, dass irgendwann in Zukunft jeder und jede „Chef“ oder „Chefin“ sein kann, auf dem Gebiet der größten Kompetenz und genau dann, wenn es gebraucht wird. Also ohne Posten, ohne Karrierewettbewerbe, ohne Genderquoten und ohne Machtspielchen, einfach durch fachliche, soziale und emotionale Kompetenz.

Auf diese Zukunft bin ich sehr gespannt. Und sie scheint nicht mehr sehr fern zu sein …

Ich wünsche Euch allen den kompetentesten Chef für jedes Eurer Probleme!

Eure Karin Rasmussen

Das Leben dauert zwei Tage. Einer davon ist jetzt.

Das Leben dauert zwei Tage. Einer davon ist jetzt.

Dieses Zitat stammt von einer Postkarte, auf der eine Schwarz-weiß-Aufnahme zu sehen ist von einer Frau, die auf einem Deko-Elefanten sitzt und lacht. Das Bild drückt für mich genau die Lebensfreude aus, die diese zwei Sätze beschreiben.

Die Karte habe ich vor ein paar Jahren in Zürich gekauft und sie passte damals so perfekt zu meiner Situation, dass ich mir vornahm, diesen Spruch ab sofort zu meinem Lebensmotto zu machen.

Ich hatte mich damals gerade selbständig gemacht, verdiente noch kein Geld damit und wusste auch nicht, wie sich das Ganze weiter entwickeln würde. Eine Reise nach Zürich, das bekanntermaßen ja ein recht teures Pflaster ist, war also einigermaßen unvernünftig.

Dennoch haben wir – mein damaliger Freund und heutiger Ehemann und ich – uns ganz spontan dazu entschieden, nachdem wir Aufnahmen aus Zürich im Fernsehen gesehen hatten. Eigentlich war eine ganz andere Reise geplant. 😉

Die Entscheidung war genau richtig, ich denke noch heute mit Freude an die schöne Zeit, die wir dort verlebt haben, und schaue mir die Fotos an, die wir dort gemacht haben.

Natürlich ist es generell sinnvoll, sich an seinen finanziellen Möglichkeiten zu orientieren. Und natürlich muss man, gerade als Selbstständiger, auch in die Zukunft schauen und mittel- und langfristig planen.

Der Blick in die Vergangenheit kann helfen, Dinge zu verstehen und aus Fehlern zu lernen, für die Zukunft können wir die Weichen stellen.

Was wir aber dabei nicht aus den Augen verlieren sollten, ist, dass das Leben selbst genau jetzt passiert und unsere ganze Aufmerksamkeit verdient.

Zürich, Blick vom Lindenhof auf den Limmat und das Fraumünster
Zürich, Blick vom Lindenhof auf den Limmat und das Fraumünster

“Mit dem, was du selbst tun kannst, bemühe nie andere.” Thomas Jefferson

Es gibt viele Gründe, weshalb Menschen sich für die berufliche Selbständigkeit entscheiden. Man kann genau das zu arbeiten, was man selbst möchte. Man hat die Möglichkeit, seine Arbeitszeiten freier einzuteilen und auf die eigenen Bedürfnisse zuzuschneiden. Man kann weniger oder mehr arbeiten als als Angestellter. Man arbeitet eher für sich selbst als für andere. Man kann eigene Ideen umsetzen. Aber einer der wichtigsten Gründe für mich ist: ich darf alles selbst machen!
Das was für andere eher eine Last ist, ist für mich die Lust an der Selbständigkeit. Die Möglichkeit, Dinge selbst zu tun, nicht auf andere zu warten, Entscheidungen alleine treffen und aktiv ins Handeln kommen, auf ganz praktische Weise – genau das brauche ich für meine berufliche Zufriedenheit.

Natürlich ist es oft sinnvoll, Aufgaben abzugeben. Gerade dann, wenn wir sie selbst nicht gut beherrschen, sie eine Last für uns sind und es jemand anderen gibt, der in der Bewältigung der Aufgabe bewanderter und motivierter ist.
Manchmal geben wir Aufgaben aber zu schnell ab. Aufgaben, die wir durchaus relativ mühelos selbst bewältigen können, deren Anfang uns aber schwerfällt. Den Lohn der Überwindung sollten wir jedoch nicht unterschätzen. Eine Aufgabe, vor der wir uns erst gedrückt haben, letztendlich wirklich selbst zu erledigen, macht uns nicht nur stolz, sondern auch selbstsicherer. Sie lässt uns wachsen und in unsere Fähigkeiten vertrauen.

Selbständigkeit ist nicht nur eine Form Erwerbstätigkeit, sondern auch ein Wert. Ein Wert, der mit Eigenständigkeit, Wachstum und Reife verbunden ist.
Es ist ein Wert, den wir gleichzeitig anstreben, aber auch fürchten.
Als Kind leben wir in Abhängigkeit von unseren Eltern und anderen erziehenden Personen. Diese Abhängigkeit sorgt dafür, dass wir keine komplette eigene Entscheidungsgewalt haben, schenkt uns aber den Luxus der Verantwortungslosigkeit.
Wenn jemand anderes über unser Leben bestimmt, müssen wir keine Verantwortung tragen. Wir müssen uns als Kind (in der Regel) keine Gedanken machen, wie wir uns verpflegen oder wo wir schlafen. Wir denken nicht darüber nach, mit wem wir zusammenleben und wer zu Besuch kommt.
Und das ist gut so, denn wir brauchen die Energie für unsere eigene Entwicklung, um uns als Individuum zu finden, um zu lernen. Je mehr wir uns dessen bewusst werden, was uns wichtig ist und wer wir sind, desto autarker beginnen wir zu agieren.
Optimalerweise wird uns die Freiheit, die wir dafür brauchen, nach und nach gewährt.

Die Aufgabe, ein Individuum sich als Individuum begreifen und entwickeln zu lassen, es dabei zu unterstützen und später in die absolute Freiheit zu schicken, ist – finde ich – eine der schwersten.

Über die Jahre habe ich gelernt, dass es vielen Menschen umso besser geht, je selbständiger sie sein dürfen. In meinen Kursen will ich diese Selbständigkeit fördern und den Teilnehmern somit vor Augen führen, zu was sie eigentlich fähig sind.
Lange hatte ich Angst, mich selbst als Gruppenleitung damit überflüssig zu machen. Bis ich auf die Idee kam, genau das als Herausforderung und Thema zu nehmen. So entstand ein Kurs, der das klare Ziel hat, die Teilnehmer am Schluss in die Selbständigkeit zu entlassen, sie von mir unabhängig zu machen. Manchmal funktioniert es gut, manchmal nicht. Ich mache weiterhin Fehler und so sehr ich Angst vor Fehlern habe, so wichtig sind sie auch, um weiter zu kommen, besser zu werden. Und solange ich Dinge selbst mache, solange mache ich auch selbst Fehler. Fehler, aus denen ich selbst unmittelbar lernen kann.

Selbständig bedeutet für mich, selbst zu entscheiden, was ich wann, wie, wo und mit wem mache. Und das will ich zelebrieren.