Die Krise als Inspiration

Es ist noch keine zwei Wochen her, als plötzlich für viele ein ganz neues Leben begann. Von einem Tag auf den anderen haben viele Selbständige und Freiberufler fast alle Aufträge und Arbeits-Möglichkeiten verloren.

Als Kulturschaffende bin auch ich besonders betroffen, wenn ich auch das Glück habe, als Solo-Unternehmerin recht flexibel auf die Krise reagieren zu können. Meine laufenden Theaterkurse habe ich nach gemeinsamen Gesprächen mit meinen Teilnehmenden fast alle abgesagt. Dann war die Frage: Wie kann ich meine Offline-Arbeit online weitermachen? Wie kann Theaterunterricht im digitalen Raum stattfinden?

Im ersten Moment wirkte diese Umstellung eigenartig. Nicht direkt beängstigend, aber wie eine Last. Ein Wieder-von-vorne-anfangen. Alles neu lernen. Seit über einer Woche dreht mein Kopf durch, sammelt Input, vernetzt sich mit anderen, sitzt in Zoom-Meetings und -workshops, plant eigene Angebote, programmiert Webseiten um und saugt alles auf.

Das ist anstrengend, aber auch gleichzeitig aufregend. Aufregend neu und ungewohnt. Die kreative Energie wird herausgekitzelt und es findet ein großer Umbruch statt. Nicht nur bei mir persönlich, sondern auch bei allen anderen Theater- und Kulturschaffenden sowie in der ganzen Gesellschaft. Diese Krise wird uns für den Rest unseres Lebens als wichtiger Abschnitt unseres Lebens begleiten. Eine Phase, die wir niemals vergessen werden – weshalb ich angefangen habe, täglich einen Tagebucheintrag in meinem Blog zu schreiben:
https://theaterberlin.blogspot.com/

Jeder hat jetzt seine eigene Umstellung. Für manche ändert sich der Tagesablauf gar nicht, manche stehen mit gleichzeitem Homeoffice, Kinderbetreuung und Haushalt unter extremem Stress, andere sind in systemrelevanten Berufen, überarbeitet und unter Druck.
Diese Phase wird irgendwann vorbei sein, doch wir wissen noch nicht, wann das so ist.
Bis dahin müssen wir in dieser verrückten neuen Welt für uns eine neue Normalität, einen ganz eigenen Alltag finden, einen Umgang mit den Herausforderungen, die wir jetzt haben.

Diese Krise zwingt uns also ein Umdenken auf. Und das kann durchaus positiv sein! Viele Dinge, mit denen wir uns schon immer mal auseinander setzen wollten, liegen jetzt auf dem Tablett für uns bereit. Themen, vor denen wir uns ein wenig gedrückt haben, zwingen sich uns jetzt auf. Wir haben jetzt die Chance, genau das zu lernen, was für uns wichtig ist – seien es neue Skills oder das Zurückbesinnen auf uns selbst und unsere Stärken. So oder so wird die Krise uns verändern, wenn wir uns dieser Chance öffnen. Trau dich!

Sarah Bansemer