Life isn’t about finding yourself. Life is about creating yourself. (George Bernard Shaw)

Ein Satz, den ich nicht nur in meiner Theaterarbeit häufig höre, ist „Das bin nicht ich.“
Dieser Satz fällt gern dann, wenn jemand z.B. eine Theaterrolle spielen soll, die anders ist, als die Person selbst. Oder ein Kostüm tragen soll, was sie sich selbst nie aussuchen würde. Oder wenn man über neue Jobmöglichkeiten nachdenkt und jemand sich eine Idee nicht für sich vorstellen kann.
Ehrlich gesagt, rolle ich bei diesem Satz innerlich manchmal mit den Augen.
Für mich fühlt sich dieser Satz oft nach Einschränkung an. Nach einem limitierten Blick auf sich selbst. Denn er beinhaltet gar nicht das, was man selbst noch alles sein könnte, aber momentan eben noch nicht ist.

Jeder Mensch hat bestimmte Vorlieben und Abneigungen, die seine Persönlichkeit definieren. Die meisten haben einen bestimmten Stil, trauen sich manches und anderes nicht, haben ihre eigenen Werte und leben danach.

All diese Interessen und Eigenschaften sind im Laufe des Lebens jedoch erst entstanden. Sie sind durch Ausprobieren und Resümieren gewachsen, durch Offenheit und Lust auf Neues.
Das heißt, dass wir uns ständig weiterentwickeln, dass wir wachsen. Und das muss auch im Erwachsenenalter nicht vorbei sein.
Ich glaube nicht, dass wir irgendwann fertig sind, dass wir uns „gefunden“ haben. Viel eher tragen wir das Potential in uns, immer wieder auch neue Seiten an uns zu entdecken, die wir vorher noch nicht kannten. Seiten, die vielleicht durch Ängste abgeschirmt waren und darauf warten, zum Vorschein zu kommen.

Genau deshalb liebe ich das obige Zitat von George Bernard Shaw. Wir sind etwas, was wir unser ganzes Leben selbst kreieren. Durch unsere Entscheidungen, unsere Wünsche und Ideen. Wir können die Person, die wir gern sein möchten, mit Geduld und Spucke zusammenbauen. Und immer noch die Option haben, neue Facetten hinzuzufügen. Wir sind unser eigenes Werk, das wir aktiv selbst in die Hand nehmen.
Am schönsten ist es, wenn wir uns unserer Veränderungen bewusst sind und sie zelebrieren.
Zum Abschluss deshalb noch ein weiteres Zitat als Sahnehäubchen oben drauf, aus meiner Lieblingsserie „Doctor Who“:

„We all change, when you think about it. We’re all different people all through our lives. And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving, so long as you remember all the people that you used to be.“

Sarah Bansemer