Online Netzwerken, aber wie?

Videoplattformen im Vergleich

Am letzten Freitag im Mai gab es wieder eine Online-Version des Netzwerk-Treffens Barbara Fischer & Friends.

Nachdem wir beim letzten Mal das neue Format zunächst einmal erprobt und uns virtuell ausgetauscht hatten, erfreute die Gastgeberin diesmal mit einem informativen Kurzvortrag zum Thema „Videoportale im Vergleich“.

Das Thema hatte sich bereits beim letzten Treffen angedeutet, nachdem es einige Diskussionen über Datensicherheit bei Zoom, Stabilität und Qualität bei Jitsi und hohe Preise bei Whereby gegeben hatte.

Dies nahm die Gastgeberin zum Anlass, einmal etwas genauer hinzuschauen und den Teilnehmerinnen die Ergebnisse ihrer Recherche aufbereitet vorzustellen.

Es stellte sich heraus, dass das Thema doch einigermaßen komplex ist, deutlich mehr als erwartet. Deshalb wurde der Vortrag auf 4 Vergleichsportale beschränkt, allerdings versehen mit Hinweisen auf weitere Informationsquellen zum Thema.

Die untersuchten Portale waren Zoom, Jitsi-Meet, Whereby und das während der Recherche neu entdeckte, ebenfalls kostenlose und auf Open-Source-Technologie basierende BigBlueButton.

Verglichen wurden die Kriterien Kosten, Nutzung, Qualität/Komfort und Datenschutz.

Kosten

Hier liegt Zoom mit einer kostenlosen Version für bis zu 100 Teilnehmer und 40 Minuten Nutzungsdauer schon recht weit vorne. Auch die Bezahlversion ab 13,99 € mit zusätzlichen Features bewegt sich noch im erschwinglichen Bereich.

Noch günstiger ist natürlich Jitsi-Meet, das als Open-Source-Projekt komplett kostenlos daherkommt. Neben der wohl am bekanntesten Seite jitsi.org, die von dem Kommunikationsanbieter 8×8, Inc. betrieben wird, gibt es noch diverse andere Seiten, die Jitsi-Meet zur Nutzung anbieten.

Dies bietet übrigens auch eine mögliche Lösung für die von vielen beklagten Verbindungsprobleme bei starker Nutzung: Die Seite https://jitsi.random-redirect.de/ führt einen direkt auf die nächste Jitsi-Installation auf einer Liste, so dass man ohne Mühe eine weniger stark genutzte und gut funktionierende Instanz finden kann.

Ebenfalls kostenlos und Open Source ist der Service BigBlueButton, der einen besonderen Fokus auf Schüler, Studierende und virtuelle Klassenräume bietet.

Ganz anders der Mercedes unter den Videoplattformen Whereby. Hier kann man in der kostenlosen Version nur maximal zu viert kommunizieren; die Pro-Version für $ 9,99/Monat lässt immerhin 12 Teilnehmer*innen und drei Räume zu. Für eine Aufnahmemöglichkeit muss man hier jedoch direkt noch 5 $ mehr berappen. Darüber hinaus gibt es eine Business-Lösung für knapp 60 $/Monat, die dann aber diverse Annehmlichkeiten bietet wie eigene Raumnamen, Branding und Integration in das eigene Firmennetzwerk.

Wie nutzen?

Bei dieser Frage interessiert natürlich als erstes, ob es notwendig ist, einen Client auf dem eigenen Gerät zu installieren und somit der Anwendung Zugriff auf persönliche Daten zu gewähren. Im Fall von Zoom ist das zumindest dann erforderlich, wenn man selbst eine Veranstaltung organisieren möchte. Laut Angabe von Zoom ist die reine Teilnahme jedoch über den Browser möglich. Allerdings konnte keine der Teilnehmer*innen dies bestätigen, da sie entweder den Client bereits auf ihren Geräten installiert haben oder die Erfahrung machten, dass bei dem Aufruf der entsprechenden Webseite sich sofort der Downloader aktivierte und es nicht möglich war, die Anwendung ohne die Installation des Clients zu nutzen.

Auch interessant ist, ob eine Registrierung notwendig ist; dies ist auch hier der Fall. Man kann sich zwar mit seinem Google- oder Facebook-Konto anmelden, muss aber dann dennoch ein Konto erstellen.

Auch hier wieder das komplette Gegenteil ist Jitsi-Meet, das komplett ohne Installation direkt im Browser funktioniert. Für die Nutzung mit dem Smartphone ist allerdings eine App erforderlich. Will man ganz sicher gehen und die Daten in den eigenen Händen haben, ist es auch möglich, einen eigenen Jitsi-Server aufzusetzen.

BigBlueButton lässt sich ebenfalls direkt über den Browser nutzen, für Mobilgeräte wurde der Mobil-Browser „Fennek“ genutzt.

Auf der Seite https://bit.ly/3et8vhA findet sich eine Liste von Seiten, die BigBlueButton zur Nutzung anbieten, insbesondere auch Projekte die Unterstützung für Schulen offerieren. Eine Registrierung ist notwendig auf der Seite https://bigbluebutton.org/.

Auch Whereby lässt sich ohne Installation direkt im Browser nutzen. Für das Smartphone ist eine App erforderlich. Eine Registrierung wird verlangt, man kann sich allerdings auch mit dem Google Account einloggen.

Qualität und Komfort

In Sachen Qualität und Komfort hat Zoom wieder gute Noten bekommen. Die meisten Nutzer äußerten sich zufrieden, man kann im Vorfeld einer Veranstaltung diverse Einstellungen vornehmen und kann das Meeting durch eine intuitive Benutzerführung steuern. Es gibt Breakoutrooms und die Meetings können aufgezeichnet werden. Laut Zoom ist bei dem kostenlosen Account die Speicherung der Aufzeichnung nur auf dem lokalen Rechner möglich, eine Teilnehmerin berichtete jedoch, dass auch mit einer kostenlosen Version das Speichern in der Cloud gelungen sei.

Jitsi-Meet bietet auf den zweiten Blick alle Features, die man in einer Videokonferenz braucht. Extraräume bzw. Breakoutrooms sind zwar nicht vorgesehen, da man aber beliebig Räume eröffnen kann, kann man diese auch als solche nutzen. Die Meetings können aufgezeichnet werden bei einer Verknüpfung mit und Speicherung in der eigenen Dropbox.

Die Probleme mit schlechter Verbindungsqualität und Abbrüchen lassen sich wie bereits erwähnt mit der Weiterleitungliste minimieren.

BigBlueButton läuft nach Aussage von Nutzern stabiler als die meisten Jitsi-Instanzen. Angeboten werden die üblichen Features, sogar Breakoutrooms. Zuvor wurden BigBlueButton-Sitzungen sogar automatisch aufgezeichnet, derzeit ist diese Funktion zumindest auf der BigBlueButton-Seite abgeschaltet aufgrund der verstärkten Nachfrage. Auch wurden die Meetings auf 60 Minuten Nutzungsdauer verkürzt.

Whereby bietet erwartungsgemäß einen großen Komfort und eignet sich vor allem für die Nutzung in größeren Unternehmen, insbesondere die Business-Lösung.

Datensicherheit

In Sachen Datensicherheit war Zoom in der Vergangenheit sehr stark in der Kritik wegen Weitergabe von Daten an Facebook. Das ist nicht überraschend, nutzt Zoom doch das SDK von Facebook, so dass die Datenweitergabe sozusagen mit „eingebaut“ war. Laut Zoom war dies aber ein Fehler, nicht beabsichtigt und wurde jetzt abgestellt.

Ein weiterer Kritikpunkt war das sogenannte „Zoombombing“, bei dem sich Trolle und Kriminelle Zugang zu Zoom-Sessions verschafften und rechtsextreme oder pornografische Inhalte verbreiteten.

Zu beiden Themen kann man in einem interessanten Golem-Artikel nachlesen.

Zoom hat nun aus Imagegründen nachgebessert und am 30.05. eine neue Version mit verbesserter Verschlüsselungstechnologie und Passwortschutz gegen „Zoombombing“ herausgebracht.

Eine Kritik des Bundesdatenschutzbeauftragten erwies sich als eher überzogen, da er das Fehlen der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bemängelte. Diese wird, soweit bekannt, von keinem der Videokonferenz-Anbieter aus technischen Gründen für mehr als zwei Teilnehmer*innen angeboten.

Jitsi-Meet wird von Datenschützern empfohlen, nutzt aber auch die E2E-Verschlüsselung nur bei max. 2 Teilnehmern. Darüber hinaus gibt es lediglich eine Transportverschlüsselung.

Will man mehr Sicherheit, empfiehlt es sich, eine Instanz auf dem eigenen Server zu installieren.

Räume sind im Prinzip öffentlich zugänglich, wählt man gebräuchliche Namen, kann es passieren, dass man Besuch bekommt (oder selbst Besuch ist). Dagegen hilft jedoch ein Passwort.

Gleiches gilt für BigBlueButton, auch hier besteht die Möglichkeit einer eigenen Installation oder einen Anbieter seines Vertrauens zu beauftragen.

Whereby erhielt eine Empfehlung von dsgvo.expert (https://bit.ly/3c7W35n), da das Unternehmen in Norwegen ansässig und damit zwar nicht zur EU aber zum EWR gehört und auch die DSGVO anwendet.

Auf Nachfrage erläuterte die Referentin, dass wir in Sachen Datensicherheit über zwei verschiedene Arten des Missbrauchs sprechen: Zum einen geht es um die kommerzielle Nutzung von Userdaten, die für Werbezwecke aufbereitet werden. Dies ist als solches nicht illegal und liegt im Ermessen jedes / jeder einzelnen, inwieweit man dies mit den eigenen Daten zulassen möchte. Allerdings bietet der relativ einfache Zugriff auf persönliche Daten auch Kriminellen die Möglichkeit, Daten zu stehlen und/oder zu manipulieren.

So ergab sich im Anschluss an den Vortrag eine angeregte und interessante Diskussion, die dank Jitsi auch aufgezeichnet werden konnte. Wer Lust und genug Geduld hat, kann sich diese Aufzeichnung gern ansehen, der Vortrag dauert ca. 25 Minuten. Zudem gibt es die für den Vortrag vorbereiteten Slides auch als Handout das gern heruntergeladen werden darf.

Ob wir uns Ende Juni endlich einmal wieder persönlich oder noch einmal online treffen ist noch offen; derzeit stehen die Chancen ungefähr 50:50.

Update: Nachdem zunächst nicht geklärt werden konnte, ob und ggf. wie Zoom auch nur im Browser, ohne Installation eines Clients funktioniert, schickte mir ein Leser/Zuschauer einen Screenshot einer Zoom-Einstellung, mit der man Teilnehmer*innen ermöglicht, „das Herunterladen der Zoom-Anwendung (zu) umgehen und an einem Meeting direkt vom Browser teil(zu)nehmen“. Diese Einstellung ist standardmäßig deaktiviert.

Ein darauf folgender Test ergab, dass die Teilnahme über den Browser möglich ist, sofern diese Einstellung aktiviert ist. Ist sie deaktiviert, ist es nicht möglich.

Diese Einstellung ist leider sehr versteckt, sie befindet sich unter „Einstellungen“ ganz unten, ca. an 5.-letzter Stelle.

Um aber Teilnehmer*innen eine Teilnahme zu ermöglichen, ohne sich den Zoom-Client auf dem Gerät zu installieren, sind Veranstalter*innen aufgerufen, diese Einstellung bitte immer, immer zu aktivieren.

Dann nehme ich vielleicht auch mal an einem Zoom-Meeting teil 😉