„Sei klüger als die anderen, wenn du kannst, aber sag es ihnen nicht“ (Lord Chesterton)

Der britische Krimi-Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton (1874 – 1936), der Erfinder von Pater Braun, gab diesen Ratschlag seinem Sohn. Das ist zwar ungefähr hundert Jahre her, aber meiner Meinung nach immer noch aktuell.

Immer wieder begegne ich Menschen, die das Gefühl haben, intelligenter oder besser ausgebildet zu sein als ihr Gegenüber, und die andere Menschen ihre vermeintliche Überlegenheit auch deutlich spüren lassen. Und vor dieser Einstellung warnte Lord Chesterton seinen Sohn. Denn sich selbst „für etwas Besseres“ zu halten und das auch zu zeigen, das kommt nicht gut an.

Vor einiger Zeit ist mir solch ein junger Mann begegnet, als ich in einer Bildungseinrichtung zu tun hatte. Wir haben in einer Arbeitsgruppe ein Projekt besprochen, und die Projektleiterin bat einen Praktikanten, der an dem Projekt mitarbeitete, ein paar Blätter zu kopieren, damit alle reingucken konnten. Die Reaktion des Praktikanten: „Dafür habe ich nicht studiert, dass ich hier kopieren muss“ – und blieb sitzen und schaute herausfordernd in die Runde. Alle starrten ihn entgeistert an, und schließlich sagte die Projektleiterin: „Wir alle haben studiert, wer soll denn deiner Meinung nach nun die Kopien machen?“. Dem Praktikanten ging nun doch auf, dass seine Reaktion vielleicht nicht angemessen war, und er trollte sich zum Kopierer. Als ich zwei Wochen später wieder in dem Institut war, arbeitete er dort nicht mehr.

Der wichtige Punkt hier ist der Unterschied zwischen Kompetenz und Überheblichkeit.
Kompetenz – also wenn man sein Thema gut beherrscht und darin vielleicht sogar besser ist als die anderen – das kann man natürlich zeigen und das wird auch anerkannt.

Das ist aber noch lange kein Grund, andere Menschen von oben herab zu behandeln. Vielleicht haben die auf anderen Gebieten auch Expertenwissen oder besondere Begabungen – nur weiß man davon nichts.

Außerdem gebietet es auch einfach der selbstverständliche Respekt vor jedem Mitmenschen, diesen höflich zu behandeln, egal, wer oder was er ist.

Ich halte es daher wie Muhammed Ali. Der berühmte Boxer hat berichtet, dass er, wenn er mit „wichtigen“ Leuten in ein Restaurant zum Essen ging, genau beobachtete, wie diese das Servicepersonal behandelten. Wenn die Leute unfreundlich und überheblich den Kellnern gegenüber waren, dann hat Ali keine Geschäfte mit ihnen gemacht.

Sein Argument: „Mich würden sie genauso schlecht behandeln, wenn ich nicht zufällig reich und berühmt wäre“.

Johanna Madrasch