“Mit dem, was du selbst tun kannst, bemühe nie andere.” Thomas Jefferson

Es gibt viele Gründe, weshalb Menschen sich für die berufliche Selbständigkeit entscheiden. Man kann genau das zu arbeiten, was man selbst möchte. Man hat die Möglichkeit, seine Arbeitszeiten freier einzuteilen und auf die eigenen Bedürfnisse zuzuschneiden. Man kann weniger oder mehr arbeiten als als Angestellter. Man arbeitet eher für sich selbst als für andere. Man kann eigene Ideen umsetzen. Aber einer der wichtigsten Gründe für mich ist: ich darf alles selbst machen!
Das was für andere eher eine Last ist, ist für mich die Lust an der Selbständigkeit. Die Möglichkeit, Dinge selbst zu tun, nicht auf andere zu warten, Entscheidungen alleine treffen und aktiv ins Handeln kommen, auf ganz praktische Weise – genau das brauche ich für meine berufliche Zufriedenheit.

Natürlich ist es oft sinnvoll, Aufgaben abzugeben. Gerade dann, wenn wir sie selbst nicht gut beherrschen, sie eine Last für uns sind und es jemand anderen gibt, der in der Bewältigung der Aufgabe bewanderter und motivierter ist.
Manchmal geben wir Aufgaben aber zu schnell ab. Aufgaben, die wir durchaus relativ mühelos selbst bewältigen können, deren Anfang uns aber schwerfällt. Den Lohn der Überwindung sollten wir jedoch nicht unterschätzen. Eine Aufgabe, vor der wir uns erst gedrückt haben, letztendlich wirklich selbst zu erledigen, macht uns nicht nur stolz, sondern auch selbstsicherer. Sie lässt uns wachsen und in unsere Fähigkeiten vertrauen.

Selbständigkeit ist nicht nur eine Form Erwerbstätigkeit, sondern auch ein Wert. Ein Wert, der mit Eigenständigkeit, Wachstum und Reife verbunden ist.
Es ist ein Wert, den wir gleichzeitig anstreben, aber auch fürchten.
Als Kind leben wir in Abhängigkeit von unseren Eltern und anderen erziehenden Personen. Diese Abhängigkeit sorgt dafür, dass wir keine komplette eigene Entscheidungsgewalt haben, schenkt uns aber den Luxus der Verantwortungslosigkeit.
Wenn jemand anderes über unser Leben bestimmt, müssen wir keine Verantwortung tragen. Wir müssen uns als Kind (in der Regel) keine Gedanken machen, wie wir uns verpflegen oder wo wir schlafen. Wir denken nicht darüber nach, mit wem wir zusammenleben und wer zu Besuch kommt.
Und das ist gut so, denn wir brauchen die Energie für unsere eigene Entwicklung, um uns als Individuum zu finden, um zu lernen. Je mehr wir uns dessen bewusst werden, was uns wichtig ist und wer wir sind, desto autarker beginnen wir zu agieren.
Optimalerweise wird uns die Freiheit, die wir dafür brauchen, nach und nach gewährt.

Die Aufgabe, ein Individuum sich als Individuum begreifen und entwickeln zu lassen, es dabei zu unterstützen und später in die absolute Freiheit zu schicken, ist – finde ich – eine der schwersten.

Über die Jahre habe ich gelernt, dass es vielen Menschen umso besser geht, je selbständiger sie sein dürfen. In meinen Kursen will ich diese Selbständigkeit fördern und den Teilnehmern somit vor Augen führen, zu was sie eigentlich fähig sind.
Lange hatte ich Angst, mich selbst als Gruppenleitung damit überflüssig zu machen. Bis ich auf die Idee kam, genau das als Herausforderung und Thema zu nehmen. So entstand ein Kurs, der das klare Ziel hat, die Teilnehmer am Schluss in die Selbständigkeit zu entlassen, sie von mir unabhängig zu machen. Manchmal funktioniert es gut, manchmal nicht. Ich mache weiterhin Fehler und so sehr ich Angst vor Fehlern habe, so wichtig sind sie auch, um weiter zu kommen, besser zu werden. Und solange ich Dinge selbst mache, solange mache ich auch selbst Fehler. Fehler, aus denen ich selbst unmittelbar lernen kann.

Selbständig bedeutet für mich, selbst zu entscheiden, was ich wann, wie, wo und mit wem mache. Und das will ich zelebrieren.

Vom Ziel haben viele Menschen einen Begriff, nur möchten sie es gerne schlendernd erreichen. Johann Wolfgang von Goethe

Oje! Immer, wenn ich dieses Zitat lese, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Denn ich strenge mich wirklich gar nicht gerne an. Aber scheinbar ist dies eine der größten Tugenden, nach denen der Mensch streben sollte: sich anzustrengen. Und das auch noch gerne, freiwillig, mit Begeisterung!

Fast täglich bekomme ich Einladungen zu Seminaren, Workshops oder ganzen Kursen, in denen ich lernen soll, mein Mindset (also meine Art, die Welt und mein Leben zu betrachten, meine Glaubenssätze, meine Denkweise) zu verändern. Ich denke scheinbar falsch?

Bisher habe ich immer geglaubt, dass aller Fortschritt zustande kam, weil die Menschen sich ihr Leben leichter machen wollten. Ich dachte wirklich, das Rad wurde erfunden, um weniger tragen und weniger rennen zu müssen. Heute bewundern wir Sportler, die schneller rennen als jeder normale Mensch und die trotzdem langsamer sind, als jedes Auto. Und wir bauen Maschinen, die immer größere Lasten bewegen – ohne auf Gewichtheber herabzuschauen, die mit Muskelkraft viel weniger Last bewegen.

Irgendwie scheint es doch nicht nötig, dass JEDER sich IMMER anstrengt. Wenn ich zum Beispiel bei einem Vortrag auf der Bühne stehe, habe ich gar nicht das Gefühl, mich anzustrengen. Für andere wäre das möglicherweise anstrengend, aus den unterschiedlichsten Gründen. Natürlich bin ich vorbereitet, natürlich habe ich mir Gedanken gemacht und an meinem Vortrag gefeilt – aber ich habe dabei Spaß! Es ist eine Arbeit, die mir leicht fällt, weil ich sie gut kann. Ich kann sie gut, weil ich sie gerne tue. Deshalb tue ich sie auch oft. Und weil ich sie oft tue, werde ich darin immer besser. Diese Arbeit macht mir immer mehr Spaß, je öfter ich sie tue. Es ist mir – sozusagen – ein innerer Spaziergang.

Vielleicht kennt Ihr das, man nennt es „Flow“. Die Arbeit läuft praktisch wie von allein, alles passt zusammen, man ist in Bestform und vergisst Raum und Zeit und auch alle Ablenkungen, manchmal sogar die Pausen. Es fühlt sich nicht anstrengend an, sondern befriedigend, mitreißend, geradezu beglückend. Ich wünsche jedem, dass die eigene Arbeit so läuft, dass Ziele so erreicht werden können. Was es dafür braucht?
Selbsterkenntnis!

Der Mensch ist ein wunderbar multi-funktionales Wesen! Wir können (fast) alles lernen, uns an unglaublich viele Anforderungen und verschiedene Bedingungen anpassen, immer wieder Schwierigkeiten meistern – und damit immer wieder unsere eigenen Talente und Fähigkeiten weiter entwickeln. Nur tun wir das häufig nicht „artgerecht“, also entsprechend unserer individuellen Persönlichkeit, sondern unter dem Druck vermeintlicher Notwendigkeiten. Irgendwer will immer etwas von uns, von irgendwem werden immer Forderungen gestellt und Erwartungen geäußert. Oder wir werden unter Druck gesetzt, zu irgendetwas unseren Beitrag zu leisten …

Also ZIELE zu erreichen. Nur: sind das unsere eigenen Ziele? Haben wir überhaupt die Chance, eigene Ziele zu erkennen? Und dürfen wir eigene Ziele haben?

Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch etwas ganz Besonderes ist – und dass diese Besonderheit das wertvollste ist, womit wir für andere da sein können. Denn nur durch den Austausch dieser Besonderheiten können wir uns gegenseitig ergänzen und bereichern. Allein ist ein einzelner Mensch immer unvollkommen. Wir können vielleicht irgendetwas besser als andere – aber wir brauchen die Anderen, weil diese uns brauchen und weil sie uns dafür mit denjenigen Fähigkeiten zur Verfügung stehen, die wir selbst nicht so gut beherrschen, für die wir uns anstrengen müssen. Wenn also jede/r von uns Gelegenheit bekommt, das zu tun, was uns am meisten Spaß macht, weil wir dafür das größte Talent haben, wenn wir das immer öfter tun und darin immer besser werden, dann könnte es auch immer leichter werden! Dann könnte es unser größtes Ziel werden, für andere auf leichten Wegen nützlich zu sein und Spaß daran zu haben. Dann müssten wir uns weniger anstrengen und würden dennoch bessere Ergebnisse erreichen.

Meinen Coaching-Kunden rate ich oft: wenn es zu anstrengend wird, überprüfe Deine Ziele! Wo kommen sie her? Folgen sie nur einer Mode, einer äußeren Erwartung oder gar einer Vorgabe? Sind es wirklich DEINE Ziele?

Wenn ich dann als Antwort ein „man muss doch“ erhalte, dann weiß ich, dass die Anstrengung riesig wird und die Erfolgsaussichten trotzdem gering sind. Und bisher hat sich immer wieder herausgestellt, dass gerade die gefühlte Anstrengung ein ganz wichtiges Signal ist, dem bald darauf Erschöpfung, Enttäuschung, Frust und manchmal die Kündigung oder gar der Burnout folgt.

Also, ehe Du Dich anstrengst, um ein Ziel zu erreichen, das nicht DEIN Ziel ist, überlege lieber, was Du gern tust, was dir Spaß macht, worin Du Erfüllung findest. Dann darf und wird es nämlich auch leicht sein – und genau deshalb doppelt wertvoll für Dich und die Anderen. Denn die können daran ihre Freude haben, weil es ihnen die Anstrengung erspart. Es darf leicht sein, denn es ist Dein Leben!

Karin Rasmussen

„Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“ (Henry Ford)

Dieser Satz ist so simpel und bringt es genau auf den Punkt – den Fakt, dass wir uns nicht weiterentwickeln, wenn wir nichts neues wagen.
Entwicklung findet immer dann statt, wenn wir einen Schritt aus unserer Komfortzone herauswagen, wenn wir ihre Grenzen Stückchen für Stückchen ausdehnen.

In meinem Job habe ich den wunderbaren Luxus, andere Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu unterstützen. Vielleicht auch sie ab und zu voranzutreiben.
Aber vor allen Dingen: sie zu beobachten.
Wenn ich eine Theatergruppe über mehrere Jahre begleite, bin ich immer wieder erstaunt, wie deutlich Entwicklungen zu beobachten sind. Dabei gehen die persönlichen Entwicklungen mit den schauspielerischen Hand in Hand.
Mit jeder neuen Rolle, die innerhalb weniger Monate einstudiert wird, wird die Person herausgefordert. Sie muss sich eine neue Sprechweise antrainieren oder neue Bewegungsmuster aneignen. Solch ein anderes Verhalten in den Körper zu transportieren ist eine wahnsinnig schwierige Aufgabe. Umso größer ist die Freude, wenn genau das gelingt.


Oft habe ich erlebt, dass die Entwicklung einer Figur während der Proben stagnierte. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Anforderungen, die die Rolle stellt, einfach zu hoch sind, vielleicht unschaffbar. Doch plötzlich, bei der Premiere, mit der Energie, die die Bühne und das Publikum einem geben, wurde diese Rolle lebendig. Ich wurde umgehauen mit einer neuen Spielweise, die Monate lang versteckt war.
Vielleicht aus Unsicherheit. Vielleicht aus Scham. Vielleicht aus Abneigung gegen die Rolle. Vielleicht, weil die Bühnensituation gefehlt hat. Die Gründe sind so vielfältig und individuell wie die Spieler.

Aber mit jeder neuen Rolle entwickelten sich die einzelnen Menschen auch auf persönlicher Ebene weiter. Mit jedem Notfall, mit jeder Herausforderung, mit jeder Katastrophe und mit jedem Freudenjubel über das gemeinsam erreichte Finale gewinnt jeder einzelne ein Stück mehr Freiheit.
Die Freiheit, eigene Facetten zu leben. So wie ein Baum im Laufe seines Lebens wächst, Äste ausbildet, aus denen wiederum kleinere Äste und daraus kleine Zweige entstehen, an denen Blätter, Blüten und Früchte wachsen, so entwickeln auch wir uns erst in die Höhe und dann – im Optimalfall – immer weiter in die Breite. Wir lernen und probieren Neues aus, wir werden in manchen Bereichen stärker und gefestigter und entwickeln auf dieser Basis neue Interessen, um in andere Höhen vorzustoßen.

Oft ist einem diese Entwicklung gar nicht gewahr. Wir können einfach öfter mal innehalten und zurückblicken. Einen gedanklichen Zeitsprung in die Vergangenheit machen und unser altes Selbst betrachten. Dann merken wir plötzlich: wow, so weit bin ich schon gekommen!

Mit jeder Herausforderung, die wir annehmen, mit allem Neuem, dem wir uns stellen, setzen wir die Weichen für die eigene Entwicklung. Lasst uns wachsen und Neues probieren!

Sarah Bansemer

Life isn’t about finding yourself. Life is about creating yourself. (George Bernard Shaw)

Ein Satz, den ich nicht nur in meiner Theaterarbeit häufig höre, ist „Das bin nicht ich.“
Dieser Satz fällt gern dann, wenn jemand z.B. eine Theaterrolle spielen soll, die anders ist, als die Person selbst. Oder ein Kostüm tragen soll, was sie sich selbst nie aussuchen würde. Oder wenn man über neue Jobmöglichkeiten nachdenkt und jemand sich eine Idee nicht für sich vorstellen kann.
Ehrlich gesagt, rolle ich bei diesem Satz innerlich manchmal mit den Augen.
Für mich fühlt sich dieser Satz oft nach Einschränkung an. Nach einem limitierten Blick auf sich selbst. Denn er beinhaltet gar nicht das, was man selbst noch alles sein könnte, aber momentan eben noch nicht ist.

Jeder Mensch hat bestimmte Vorlieben und Abneigungen, die seine Persönlichkeit definieren. Die meisten haben einen bestimmten Stil, trauen sich manches und anderes nicht, haben ihre eigenen Werte und leben danach.

All diese Interessen und Eigenschaften sind im Laufe des Lebens jedoch erst entstanden. Sie sind durch Ausprobieren und Resümieren gewachsen, durch Offenheit und Lust auf Neues.
Das heißt, dass wir uns ständig weiterentwickeln, dass wir wachsen. Und das muss auch im Erwachsenenalter nicht vorbei sein.
Ich glaube nicht, dass wir irgendwann fertig sind, dass wir uns „gefunden“ haben. Viel eher tragen wir das Potential in uns, immer wieder auch neue Seiten an uns zu entdecken, die wir vorher noch nicht kannten. Seiten, die vielleicht durch Ängste abgeschirmt waren und darauf warten, zum Vorschein zu kommen.

Genau deshalb liebe ich das obige Zitat von George Bernard Shaw. Wir sind etwas, was wir unser ganzes Leben selbst kreieren. Durch unsere Entscheidungen, unsere Wünsche und Ideen. Wir können die Person, die wir gern sein möchten, mit Geduld und Spucke zusammenbauen. Und immer noch die Option haben, neue Facetten hinzuzufügen. Wir sind unser eigenes Werk, das wir aktiv selbst in die Hand nehmen.
Am schönsten ist es, wenn wir uns unserer Veränderungen bewusst sind und sie zelebrieren.
Zum Abschluss deshalb noch ein weiteres Zitat als Sahnehäubchen oben drauf, aus meiner Lieblingsserie „Doctor Who“:

„We all change, when you think about it. We’re all different people all through our lives. And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving, so long as you remember all the people that you used to be.“

Sarah Bansemer