Die Schwierigkeiten wachsen, je näher man dem Ziele kommt. Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Jahresende!!!

Da gerät so mancher in eine Alarm-Stimmung. Schnell noch ein Projekt zu Ende bringen, Endspurt zum Ziel, letzte Reserven mobilisieren, Anstrengungen intensivieren und so weiter, um WAS damit zu erreichen?

Ist dieses magische Datum, der letzte Tag des Jahres, tatsächlich so entscheidend? Müssen wir „fertig werden“, um am Ersten Januar oder bestenfalls am zweiten irgendetwas „von vorn“ anzufangen? Wir haben uns angewöhnt Bilanz zu ziehen, ehe wir einen Neuanfang starten. Doch: das hat mit dem tatsächlichen Leben nicht wirklich viel zu tun. Schon lange sind die Zeiten vorbei, in denen erst eine Aktion abgeschlossen wurde, ehe man die neue in Angriff nahm.

Projekte laufen parallel in verschiedenen Reifestadien. Einige Ziele haben wir schon fast vergessen, weil wir sie bereits vor Monaten erreicht haben. Von anderen Vorhaben haben wir uns verabschiedet, weil sie nicht mehr in unser Leben passten oder ihren Sinn verloren hatten. Und auch manche Beziehung hat sich während des zurückliegenden Jahres verändert.

Vielleicht ist diese Zeit des Rückblicks auf Erreichtes ganz sinnvoll, wenn sich Entscheidendes ändert. Das am Kalender, respektive am Jahreswechsel festzumachen, ist aber schwierig. In vielen Bereichen ändert sich nämlich gerade in dieser Zeit eher wenig. Im Gegenteil: Man hat den Eindruck, dass sich immer weniger bewegt, alles langsamer geht und die meisten Menschen eher mit Weihnachtsvorbereitungen und Privatangelegenheiten beschäftigt sind, als mit dem Erreichen wichtiger Ziele.

Aber möglicherweise entsteht dieser Eindruck auch gerade dadurch, dass zum Ende hin alles schwieriger zu werden scheint, wie der alte Goethe mit 60 Jahren in den „Wahlverwandtschaften“ feststellte?

Anfänge sind oft einfach. Der erste Schritt, die geringste Tat – und schon verändert sich etwas im Leben. Es tauchen Widerstände und Gegner auf, die vorher gar nicht zu erkennen waren. Aus dem Schwung und der Begeisterung des Anfangs wird das fleißige Durchhalten und Weiterkämpfen in den Mühen der Ebenen. Und es kommen Zweifel auf, ob sich die ganze Anstrengung auch lohnen wird, ob das Ziel erreichbar ist.

Je länger und je erfolgreicher man ein Ziel verfolgt, umso wichtiger werden Partner. Deshalb ist Freundschaft und Kooperation wichtiger als Kampf oder gar Sieg! Trotzdem ziehen wir ausgerechnet am Jahresende Bilanz. Die meisten von uns tun das im Kreise ihrer Lieben – die vielleicht im Verlauf des Jahres zu kurz gekommen sind. Weihnachten als Fest der Familie ist vielleicht sogar eine Art der Wiedergutmachung. Auch die Wegbegleiter zum Ziel, die nicht zur Familie gehören – also Freunde, Kollegen, Partner und sogar Kunden besinnen sich jetzt. Nur warum gerade jetzt? Stecken wir uns gegenseitig an? Lassen wir uns von der Jahresendzeit-Stimmung durch die Werbung überrollen?

Ich mache mir bei der „Inbetriebnahme“ eines neuen Kalenders als erstes Notizen über wichtige Meilensteine in meinen laufenden Projekten. Das sind die Daten, an denen ich Bilanz ziehe. Dazu gehört auch, mich bei meinen Wegbegleitern zu bedanken und mit ihnen gemeinsam zu feiern. Deshalb habe ich am Jahresende oft viel freie Zeit. Die nutze ich zur Erholung und zur Entspannung. Kein Stress, keine Jagd nach Geschenken, keine Reisen in überfüllten Zügen oder auf verstopften Autobahnen. Deshalb ist das Jahresende für mich auch kein Ziel-Termin. Meine verschiedenen Ziele reifen zu verschiedenen Zeiten mit unterschiedlichen Schwierigkeiten weiter. Mein Leben geht nämlich einfach weiter.

Das wünsche ich auch all meinen Freunden, Kollegen, Partnern und Kunden. Ziele zu erreichen schafft Höhepunkte – der Kalender kann sie bestenfalls dokumentieren.

Also: Zum Jahresende die besten Wünsche für alle Eure abgeschlossenen, laufenden und neu hinzukommenden Ziele und natürlich für Euer ganz persönliche Wohlergehen!

Eure Karin Rasmussen