Wer fragt, bekommt mehr.

Drei Geheimnisse der finanziellen Souveränität hatte uns Martín Hiller für das Netzwerktreffen im August zu verraten versprochen.

Er eröffnete seinen Vortrag mit einer schönen Geschichte, die davon handelte, dass ein Mann bei Sturm und Gewitter mit seinem Auto an einer Bushaltestelle vorbei kam. An der Haltestelle warteten drei Personen auf den Bus, dessen Ankunft angesichts des Wetters eher ungewiss war. Diese Personen waren eine alte Frau, die zum Arzt musste und sichtlich Hilfe brauchte, sein bester Freund, dem er sein Leben verdankte und dem er auf keinen Fall einen Gefallen ausschlagen konnte und wollte, sowie die Frau seiner Träume. Leider handelte es sich bei seinem Auto nur um einen Zweisitzer, sagen wir mal einen Smart, sodass er maximal eine Person hätte mitnehmen können.

Ich verrate an dieser Stelle nicht die Auflösung, da diese Geschichte ja gern einmal erzählt wird als Beispiel dafür, wie wir unsere eigenen Annahmen für Tatsachen halten. Nur soviel sei gesagt: Es steht nirgendwo geschrieben, dass der Fahrer immer derselbe sein muss. 😉

Dies ist nun schon das erste Geheimnis: Nicht immer entspricht das, was wir vermuten, auch den Tatsachen. Wenn wir etwas nicht wissen, tun wir gut daran, nicht zu spekulieren, sondern uns an geeigneter Stelle tatsächlich zu informieren.

Eine solche Annahme ist beispielsweise, dass man ohne Kapital kein Vermögen aufbauen könne. Tatsächlich, so Martín, könne man ein Vermögen von 0 aufbauen, dies sei sogar einem Hartz-IV-Empfänger möglich. Zugegeben, das dauert dann natürlich ein wenig länger, wenn man aber früh genug damit anfängt, kann man doch im Laufe der Zeit erstaunliche Ergebnisse erzielen.

Hier nannte er zwei Beispiele, wie man ohne große Mühe und mit wenig Zeitaufwand schon den Grundstein für eine regelmäßige Ansparung legen kann.

Viele Zahlungen kann man beispielsweise entweder monatlich oder jährlich leisten. Entscheidet man sich für die jährliche Zahlweise, spart man oftmals einen nicht geringen Betrag. Dies ist häufig bei Versicherungen der Fall, z.B. bei der privaten Krankenversicherung.

Auch bei Kontoführungsgebühren gibt es Luft nach oben. Die wenigsten wissen, dass man Gebührenerhöhungen widersprechen kann. Dies kann man formlos und, wie Martín zeigte, sogar per E-Mail. Hier wurde die Gebührenerhöhung problemlos zurückgenommen. Viele Banken bieten auch gebührenfreie Tarife an, hier kommt es nur darauf an, einmal das Gespräch zu suchen und – nötigenfalls mit sanftem Druck – eine Tarifumstellung zu erreichen.

Diese Ersparnis mag im ersten Moment gering erscheinen, handelt es sich vielleicht nur um einige Euro im Monat. Spart man diese aber regelmäßig an, indem man den Betrag sofort per Dauerauftrag auf ein anderes Konto überweist, ist das Geld, das man sonst ohnehin nicht gehabt hätte, nach ein paar Jahren zu einem stattlichen Sümmchen angewachsen.

Ein weiterer Fallstrick, der uns auf dem Weg zur finanziellen Souveränität immer wieder im Wege steht, ist die Überzeugung, etwas nicht wert zu sein, es nicht zu verdienen. Wie uns bereits Natascha in ihrem sehr aufschlussreichen Impulsvortrag vermittelt hat, geht es darum, von unserem eigenen Wert überzeugt zu sein. Erst dann können unsere Mitmenschen das auch.

Beispielsweise, so berichtete Martín, erhalten laut einer Studie aus den USA männliche Berufsanfänger ca. 8 % mehr Gehalt als ihre weiblichen Kolleginnen. Woran liegt das? Ganz einfach: Männer fragen nach mehr. Arbeitgeber haben meist eine Spanne des Möglichen und finden Gefallen an dem selbstbewussten Auftreten der Bewerber. Frauen hängen noch viel häufiger der Überzeugung an, nehmen zu müssen was man ihnen gibt und nicht mehr verlangen zu dürfen.

Zusammengefasst lautet der Tipp, den Martín uns hier gibt: immer verhandeln!

Zu mehr finanziellem Spielraum verhilft auch ein Blick auf das eigene Konsumverhalten. Ist man mit der Kreditkarte in der Tasche auf der Einkaufsmeile unterwegs, wird man allzu leicht von attraktiven Angeboten oder vermeintlichen Schnäppchen verführt. Beschränkt man sich auf Barzahlung, spürt man vielmehr den „Schmerz des Bezahlens“. Zudem hat man ja auch meistens nur eine begrenzte Menge an Bargeld dabei.

Plant man größere Anschaffungen, sei es Kleidung, elektronische Geräte oder Dinge für den Haushalt, hilft es, diese zunächst auf einem Zettel zu notieren und diesen 30 Tage liegen zu lassen. Erstaunlicherweise wird man nach den 30 Tagen feststellen, dass einige dieser geplanten Anschaffungen sich inzwischen bereits erledigt oder an Attraktivität verloren haben.

Last but not least erhielten wir noch einen Interessanten Denkanstoß im Hinblick auf Investitionen, die man über die Bank tätigt. Investiert man beispielsweise in einen Fond oder betreibt ein Tagesgeldkonto, ist man ja in der Regel der Überzeugung, dass das eingezahlte Geld nach einem gewissen Zeitraum plus Zinsen wieder zurückkommt. Tatsächlich verdienen an dieser Investition die Bank, Berater, Agenten und Makler mehr als wir selbst. Aus diesem Grund rät Martín zu direkten Investitionen in lohnende Unternehmen. Dies verlangt allerdings tatsächlich noch etwas mehr Know-how, das aber erlernbar ist, z.B. in einem von Martíns Seminaren .

Derart mit guten Tipps bereichert, wendeten wir uns im Anschluss wieder dem Netzwerken zu. Dank einer schönen Mischung aus neuen und bekannten Teilnehmern ergaben sich interessante neue Kontakte und Gespräche, die noch einmal in der mediterranen Atmosphäre der Terrasse geführt werden konnten.

Wir freuen uns schon auf das nächste Netzwerktreffen am 27.07 September, diesmal mit einem Vortrag von Karin Rasmussen. Die Moderation übernimmt diesmal Johanna Madrasch.